Nach der Zuckerrohrernte bleibt eine große Menge faseriger Stängelabfälle, bekannt als Bagasse, zurück. Der Stoff wird zu einem umweltfreundlichen Baustoff namens „Sugarcrete“ verarbeitet, der kürzlich mit dem International Climate Positive Award ausgezeichnet wurde. Sugarcrete wurde in Zusammenarbeit mit der University of East London und dem britischen Zuckerunternehmen Tate & Lyle entwickelt. Das Material besteht aus Zuckerrohrbagasse und einem proprietären Bindemittel auf Mineralbasis. Die Mischung wird komprimiert und erstarren gelassen, wodurch hochfeste Blöcke entstehen, die als Ersatz für herkömmliche Ton- oder Betonziegel verwendet werden können.

Berichten zufolge erfüllt oder übertrifft Sugarcrete die Industriestandards für Feuerbeständigkeit, Druckfestigkeit, Wärmeleitfähigkeit und Haltbarkeit

Aber warum sollte jemand einen solchen Ersatz herstellen wollen? Forscher behaupten, dass Sugarcrete viel schneller vollständig aushärtet als Beton (eine Woche statt vier), ein Viertel bis ein Fünftel so viel pro Betonstück gleicher Größe wiegt und viel billiger in der Herstellung ist.

Letzteres ist in Gebieten, in denen Zuckerrohr angebaut wird, besonders wichtig. Anstatt die Bagasse auf Mülldeponien zu entsorgen, können Landwirte sie an lokale Unternehmen verkaufen, die Sugarcrete-Beton herstellen. Dieses Material kann wiederum in lokalen Bauprojekten verwendet werden, die möglicherweise nicht erschwinglich sind, wenn nur importierter Beton in Frage kommt.

Darüber hinaus soll Sugarcrete einen CO2-Fußabdruck haben, der nur 15 bis 20 % des CO2-Fußabdrucks von Beton beträgt. Es wird geschätzt, dass die Wärme, die bei der Herstellung von traditionellem Portlandzement (dem in Beton verwendeten Zement) entsteht, 5–8 % des gesamten vom Menschen emittierten Kohlendioxids ausmacht.

Sugarcrete wurde in modularen Bodenplatten-Prototypen demonstriert, die Lasten über Verbindungen zwischen ineinandergreifenden Blöcken auf die gesamte Struktur verteilen. Obwohl etwas Stahl verwendet wird, verbrauchen Sugarcrete-Böden 90 % weniger Stahl als Betonböden, die unter Druck anfälliger für Risse sind.

Weitere Forschungen werden die Haltbarkeit, akustischen Eigenschaften und strukturellen Eigenschaften dieses Materials genauer untersuchen

Ende letzten Jahres wählte die Umweltorganisation Green Cross UK auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen Suga Concrete zum Gewinner der Kategorie „Kreislaufwirtschaft“ ihres Climate Positive Award. Der Preis würdigt Initiativen zur Bekämpfung des Klimawandels, wobei eine Kreislaufwirtschaftskomponente Projekten gewidmet ist, die durch die Wiederverwendung vorhandener Materialien Abfall reduzieren.

Als nächsten Schritt zur Kommerzialisierung der Technologie sucht das Sugarcrete-Team derzeit nach landwirtschaftlichen Partnern in Ländern im globalen Süden.