Neue Forschungsergebnisse widerlegen die 45 Jahre alte Annahme, dass die Größe eines Tieres keinen Einfluss auf das Krebsrisiko hat. Sie zeigen, dass bei größeren Tieren wie Elefanten und Giraffen die Krebsrate höher ist als bei kleineren Tieren. Die Studie ergab auch, dass Arten, die sich schnell zu großen Tieren entwickelten, wie etwa Elefanten, stärkere natürliche Abwehrkräfte gegen Krebs entwickelten, wobei bei einigen Arten unerwartete Krebsraten auftraten.

Bei großen Tieren besteht ein höheres Krebsrisiko, aber einige, wie etwa Elefanten, haben starke Abwehrkräfte entwickelt. Das Verständnis dieser Abwehrkräfte könnte zu Durchbrüchen in der Krebsforschung führen.

Eine neue Studie stellt lang gehegte Annahmen über Krebs im Tierreich in Frage und zeigt, dass bei großen Tieren wie Elefanten, Giraffen und Pythons die Krebsrate höher ist als bei kleineren Tieren wie Mäusen, Fledermäusen und Fröschen.

Forscher der University of Reading, des University College London und der Johns Hopkins University School of Medicine analysierten Krebsdaten von 263 Arten in vier großen Tiergruppen: Amphibien, Vögel, Säugetiere und Reptilien. Ihre Ergebnisse widersprechen „Petos Paradoxon“. „Petos Paradoxon“ ist eine 1977 vorgeschlagene Theorie, die besagt, dass die Größe eines Tieres nichts mit seinem Krebsrisiko zu tun hat.

Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie ergab, dass größere Tiere durchweg höhere Raten an gutartigen und bösartigen Tumoren aufweisen. Allerdings haben größere Tiere, die sich schneller entwickelt haben, wie zum Beispiel Elefanten, auch eine größere natürliche Resistenz gegen Krebs entwickelt.

Professor Chris Venditti, leitender Autor der Studie von der University of Reading, sagte: „Jeder kennt den Mythos, dass Elefanten Angst vor Ratten haben, aber wenn es um das Krebsrisiko geht, sind Ratten weniger furchteinflößend. Wir haben gezeigt, dass große Arten wie Elefanten tatsächlich mit höheren Krebsraten konfrontiert sind – was man auch erwarten würde, weil sie mehr Zellen haben, die schiefgehen können.“

Die Studie analysierte den bislang größten Datensatz seiner Art. Die Forscher untersuchten Krebserkrankungen bei 31 Amphibienarten, 79 Vogelarten, 90 Säugetierarten und 63 Reptilienarten, die von Tierärzten seziert wurden. Sie verwendeten fortschrittliche statistische Methoden, um den Zusammenhang zwischen Krebsinzidenz und Körpergröße zu analysieren und dabei die Entwicklung verschiedener Arten zu berücksichtigen.

Sie untersuchten Vögel und Säugetiere, die ab einer bestimmten Größe aufhören zu wachsen, sowie Amphibien und Reptilien, die ihr ganzes Leben lang wachsen. Obwohl es Unterschiede in den Wachstumsmustern zwischen den beiden Tiergruppen gibt, ist der allgemeine Trend derselbe: Bei größeren Arten ist die Krebsrate höher. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Arten, die sich innerhalb kurzer Zeitspannen schnell zu großen Größen entwickelt haben, wie etwa Elefanten, bessere Mechanismen zur Kontrolle des Zellwachstums und zur Vorbeugung von Tumoren entwickelt haben. Beispielsweise haben Elefanten etwa das gleiche Krebsrisiko wie Tiger, die nur ein Zehntel so groß sind wie Elefanten.

Co-Autorin Dr. Joanna Baker von der University of Reading fügte hinzu: „Wenn Arten größer werden müssen, entwickeln sie auch außergewöhnliche Abwehrkräfte gegen Krebs. Elefanten sollten keine Angst vor ihrer Größe haben – sie haben hochentwickelte biologische Werkzeuge zur Krebsbekämpfung entwickelt. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, wie die Evolution Lösungen für komplexe Herausforderungen finden kann.“

Für die moderne Medizin ist es schwierig, genau zu wissen, wie sich der Mensch an dieses Körpertyp-Krebs-Muster angepasst hat. Die Studie zeigt einen allgemeinen Trend zu höheren Krebsraten bei größeren Arten, zeigt aber auch, wie einige Arten mit zunehmender Größe eine bessere Krebsabwehr entwickeln. Zusammengenommen stützen die Ergebnisse die Idee, dass sich zu bestimmten Zeitpunkten und bei größeren Arten überlegene zelluläre Abwehrmechanismen – wie eine verbesserte Kontrolle des Zellwachstums – entwickelten. Dies öffnet eine neue Tür zum Verständnis der Krebsmechanismen und liefert möglicherweise neue Einblicke in menschliche Krankheiten und ihre Behandlung.

Im Durchschnitt erkranken größere Arten häufiger an Krebs als kleinere Arten. Die Forscher fanden jedoch auch eine Untergruppe von Arten mit Krebsraten, die viel höher oder niedriger waren als angesichts ihrer Größe erwartet. Forscher fanden beispielsweise heraus, dass die Krebsraten des Wellensittichs (Melopsittacus undulatus) mehr als 40-mal höher sind als erwartet für seine Größe von weniger als 30 Gramm. Im Gegensatz dazu wurde bei Nacktmullen (Heterocephalusglaber) fast keine Krebsinzidenz dokumentiert.

Dr. George Butler, Hauptautor der Studie vom University College London und der Johns Hopkins University, sagte: „Die Entdeckung, welche Tiere von Natur aus Krebs besser bekämpfen können, eröffnet spannende neue Wege für die Forschung. Durch die Untersuchung dieser erfolgreichen Arten können wir besser verstehen, wie Krebs entsteht, und möglicherweise neue Wege zur Krebsbekämpfung entdecken. Dies könnte in der Zukunft zu bahnbrechenden Behandlungen führen.“

Zusammengestellt von /ScitechDaily

DOI:10.1073/pnas.2422861122