Wir haben bereits von berührungsempfindlicher Kleidung gehört, die es ermöglicht, Geräte durch Berühren und Wischen des Stoffes mit Touchscreen-ähnlichen Fingern zu steuern. Diese Technologie klingt beeindruckend, weist jedoch einige Einschränkungen auf. Hier kommt ein neues „berührungsloses“ Gewebe zur Erkennung von Fingergesten ins Spiel. Das experimentelle Gewebe wurde von Wissenschaftlern der Nottingham Trent University im Vereinigten Königreich, des Forschungslabors des Helmholtz Zentrums in Dresden-Rosendorf, Deutschland, und der Freien Universität Bozen in Italien entwickelt.
Die allgemeine Idee ist, dass, wenn diese Technologie in die Kleidung integriert würde, der Träger in der Lage wäre, Aufgaben wie das Einschalten eines Geräts, das Beantworten eines Telefonanrufs oder die Bedienung eines Smart-TVs auszuführen, indem er einfach seinen Zeigefinger durch den Luftraum über dem Material bewegt.
In der aktuellen Prototypenversion des Systems trägt der Nutzer einen Ring mit einem 3x5 mm großen Magneten am Zeigefinger.
Das vom Ring emittierte Magnetfeld beeinflusst den Widerstand von vier magnetoresistiven Sensoren, die in eine Polyesterhülse eingewebt sind. Durch den Vergleich des Ausmaßes, in dem das Magnetfeld gleichzeitig den Widerstand jedes Sensors beeinflusst, bestimmt ein angeschlossener Mikroprozessor in Echtzeit die dreidimensionale Position des Fingers im Raum über der Hülse.
Unterschiedlichen Fingerpositionen/Aktionen werden unterschiedliche Anweisungen zugeordnet, die an drahtlos verbundene elektronische Geräte weitergeleitet werden. Im Prototypensystem kann sich der Träger mit einfachen Fingergesten in der VR-Umgebung seitwärts drehen oder vorwärts bewegen.
Jeder Sensor besteht aus einem kleinen Stück Polyimidfolie, das mit Schichten aus Kupfer und Kobalt bedeckt ist. Das Blatt wird um einen dünnen Draht gewickelt und dann mit einer Polyesterhülle umhüllt, wodurch ein einzeln geflochtener Draht entsteht, der in den Stoff eingewebt wird. In Labortests funktionierte der Sensor auch nach sieben Waschmaschinenwäschen noch.
Im Gegensatz dazu sind kapazitive Textilsensoren, die tatsächlich berührt werden müssen, tendenziell viel zerbrechlicher und oft weniger flexibel, was das Tragen verbesserter „intelligenter“ Kleidungsstücke unangenehmer macht. Sie können auch versehentlich ausgelöst werden, wenn sie bei der Bewegung an der Haut des Benutzers reiben.
Schließlich funktionieren kapazitive Berührungssensoren nicht unter Wasser oder in anderen nassen Umgebungen (z. B. im Regen oder beim Schwitzen), ein Problem, das bei neueren kontaktlosen Sensoren nicht besteht.
Der leitende Wissenschaftler Dr. Pasindu Lugoda von der Nottingham Trent University sagte: „Unser Design könnte E-Textilien sowohl für Spezial- als auch für Alltagskleidung revolutionieren.“ Es ist maschinenwaschbar, langlebig und beeinträchtigt weder den Fall noch die Gesamtästhetik des Stoffes. "
Ein Artikel über die Forschung wurde kürzlich in der Zeitschrift Communications Engineering veröffentlicht.