Eine auf einer Preprint-Plattform basierende Studie wies darauf hin, dass es im Peer-Review-Prozess eine Tendenz gibt: Wenn die eigene Forschung eines Gutachters in einem Aufsatz zitiert wird, ist es wahrscheinlicher, dass er die Annahme des Manuskripts empfiehlt. Die Studie analysierte Rezensionsdaten von 18.400 Artikeln auf vier Open-Access-Publikationsplattformen.
Studien zeigen, dass der Anteil der zitierten Gutachter, die eine Arbeit zur Annahme empfehlen, höher ist als der der nicht zitierten Gutachter. Konkret, wenn in den Rezensionskommentaren eine Zitierung der eigenen Arbeit gefordert wird und der Autor diese in das überarbeitete Manuskript übernimmt, empfehlen 92 % der Gutachter die Annahme des Beitrags in der nachfolgenden Begutachtung, während dieser Anteil bei den Gutachtern, die nicht zitiert werden, bei 76 % liegt. Andererseits war die Wahrscheinlichkeit, dass Gutachter die Arbeit ablehnten oder Vorbehalte äußerten, etwa doppelt so hoch wie die direkte Zustimmung, wenn sie die Zitierung ihrer Studie empfahlen, aber keine Antwort von den Autoren erhielten.
Die Analyse ergab außerdem, dass Gutachter, die um Zitate baten, bei der Ablehnung von Beiträgen häufiger stark richtungsweisende Wörter wie „brauchen“ oder „bitte“ verwendeten. Einige Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass solche Begriffe nicht unbedingt einen Zwang darstellen und dass Empfehlungen der Gutachter für Zitate (einschließlich ihrer eigenen Forschung) sinnvolle Vorschläge zur Verbesserung der Qualität der Arbeit sein können.
Die Studie erkennt an, dass es derzeit unmöglich ist, die Grenze zwischen „unbegründeten Anfragen“ und „berechtigten Vorschlägen“ genau zu unterscheiden. Um dieses Problem zu lösen, schlagen die Forscher vor, dass Gutachter Gründe angeben müssen, wenn sie Zitationsanfragen stellen, und empfehlen die Einführung algorithmischer Hilfstools, um Zeitschriftenherausgebern dabei zu helfen, mögliches obligatorisches Zitierverhalten zu erkennen und zu überprüfen.