Microsoft Corp ist auf dem besten Weg, eine möglicherweise hohe Kartellstrafe zu vermeiden, nachdem die Europäische Union positive Rückmeldungen zum Vorschlag des US-amerikanischen Softwareriesen gegeben hat, eine Untersuchung wegen angeblich illegaler Bündelung seiner Videokonferenz-App Teams einzustellen.

Die Aufsichtsbehörden der Europäischen Union werden die Zusage von Microsoft akzeptieren, Teams aus seiner beliebten Office-Suite zu trennen, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten. Wettbewerber und Kunden hätten bislang in sogenannten Markttests keine gravierenden Einwände erhoben, hieß es weiter.
Die Entscheidung, deren Verabschiedung in den kommenden Wochen erwartet wird, dürfte eine Entspannung der angespannten europäischen und amerikanischen Beziehungen bedeuten, nachdem Präsident Donald Trump kürzlich Brüssel wegen seines harten Vorgehens gegen das Silicon Valley scharf kritisiert hatte. Die Europäische Kommission hat Microsoft zuvor gewarnt, dass das Unternehmen seit 2019 seine Marktmacht missbraucht, um Teams einen unfairen Vorteil gegenüber Konkurrenten zu verschaffen.
Im Rahmen der Vereinbarung wird Microsoft zustimmen, Teams getrennt von seinen Office 365- und Microsoft 365-Suites zu verkaufen. Zu diesen Verpflichtungen gehört die Verpflichtung von Microsoft, die Gebühren für Softwarepakete zu senken, die Teams nicht enthalten, und die Interoperabilität mit Konkurrenzsoftware zu verbessern, die Microsoft-Dienste nutzt. Die Entscheidung befinde sich noch im Entwurfsstadium und der Zeitplan könne noch verschoben werden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Sowohl die Europäische Kommission als auch Microsoft lehnten es ab, sich zu den bevorstehenden Verpflichtungen zu äußern.
Die EU-Klage folgt auf eine Beschwerde der Messaging-Plattform Slack aus dem Jahr 2019. Slack wurde 2021 vom Cloud-Kundenmanagement-Softwareanbieter Salesforce Inc. für 27,7 Milliarden US-Dollar übernommen.
Im Vorfeld des bevorstehenden Teams-Urteils hat das Weiße Haus die Art und Weise, wie die mächtige Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union US-amerikanische Technologieunternehmen reguliert, scharf kritisiert. Die Europäische Kommission hat diese Woche Pläne zur Verhängung einer Geldstrafe gegen Google verschoben, weil sie befürchtet, dass das Urteil eine Gegenreaktion von Trump auslösen könnte.
Während die in Brüssel ansässige Europäische Kommission in den letzten Jahren Pläne bekannt gegeben hat, große Technologieunternehmen mit Geldstrafen in Milliardenhöhe zu belegen, ist sie zunehmend daran interessiert, Vereinbarungen mit Unternehmen abzuschließen, um rechtliche Probleme wegen angeblich wettbewerbswidrigem Verhalten zu vermeiden.
In anderen Ermittlungen wegen mutmaßlichen Missbrauchs seiner Marktmacht unterzeichnete Apple Inc. einen Vertrag zur Öffnung seiner Mobile-Wallet-Technologie für Konkurrenten, während Amazon.com Inc. seine Marktplatz-„Buy Box“ umgestaltete und sich bereit erklärte, die Verwendung nicht öffentlicher Daten einzustellen.