Forscher des Radboud University Medical Center in den Niederlanden gaben die neuesten Erkenntnisse auf der 38. Jahrestagung des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) im Oktober dieses Jahres in den Niederlanden bekannt und wiesen darauf hin, dass Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) einzigartige Vorteile in der Kreativität haben und diese Eigenschaft möglicherweise eng mit dem Phänomen des „Gedankenwanderns“ zusammenhängt.

Laut Han Fang, dem Hauptforscher, wurde in früheren Studien spekuliert, dass „Gedankenwandern“ ein Schlüsselfaktor für die Verbindung von ADHS und Kreativität sein könnte, es gab jedoch keine frühere Forschung, die den Zusammenhang zwischen beiden direkt getestet hat. Dieses Mal führte das Team eine unabhängige Analyse an zwei Gruppen von ADHS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen in Europa und im Vereinigten Königreich mit insgesamt 750 Probanden durch und erhöhte so die Zuverlässigkeit der Forschungsergebnisse.
Die Ergebnisse zeigten, dass die beiden ADHS-Gruppen kaum Unterschiede bei Symptomen wie Unaufmerksamkeit, impulsivem Verhalten und mangelnder Konzentration aufwiesen, aber diejenigen Teilnehmer, die über schwerwiegendere selbstberichtete Symptome berichteten, hatten auch häufiger eine hohe Häufigkeit von „Gedankenwandern“. Die Forschung unterscheidet zwei Arten von „Gedankenwandern“: Die eine ist die „spontane“, bei der die Aufmerksamkeit unkontrolliert zwischen verschiedenen Themen wandert; die andere ist „absichtlich“, bei der Einzelpersonen ihre Gedanken aktiv von der aktuellen Aufgabe abschweifen lassen und frei umherschweifen lassen.
Durch den Vergleich der Gedankenschweifungsdaten der Teilnehmer mit ihren Kreativitätswerten stellten die Forscher fest, dass diese Eigenschaft, die oft als negativ angesehen wird, tatsächlich stark mit Kreativität korreliert. Obwohl Korrelation nicht dasselbe ist wie Kausalität, glaubt das Forschungsteam, dass gezielte ADHS-Beratungs- oder Behandlungsprogramme „Gedankenwandern“ in kreative Ergebnisse umwandeln können, wodurch neurodiverse Menschen ihre Stärken besser nutzen und den sozialen Wert steigern können.
Nach Angaben der koreanischen Seite können speziell für ADHS konzipierte Achtsamkeitsinterventionen spontanes „Gedankenwandern“ reduzieren oder in einen bewussteren Gedankenfluss umwandeln und so dazu beitragen, Funktionsstörungen zu lindern und die Behandlungseffekte zu optimieren. Er fügte hinzu: „Eine der Schlüsselressourcen für die außergewöhnliche Kreativität hochfunktioneller ADHS-Personen ist Gedankenwandern. Dies macht sie zu einem äußerst wertvollen Gut für die Gesellschaft und die Zukunft der Menschheit.“
Die vollständige Forschung wurde noch nicht veröffentlicht, aber die relevanten Ergebnisse wurden diesen Monat auf der ECNP-Jahrestagung vorgestellt.