Die südkoreanische Hyundai Motor Group plant den Einsatz humanoider Roboter in Fabriken auf der ganzen Welt, was eine heftige Gegenreaktion der Gewerkschaft des Unternehmens auslöste, die warnte, dass der Schritt „enorme Auswirkungen auf die Beschäftigung“ haben würde. Die Gewerkschaft erklärte, dass Roboter in keinem Produktionsstandort eingeführt werden sollten, ohne eine Vereinbarung mit dem Management zu treffen.

Die Hyundai Motor Group stellte den von ihrer Tochtergesellschaft Boston Dynamics entwickelten humanoiden Roboter Atlas Anfang des Monats auf der CES vor und kündigte Pläne an, bis 2028 eine Fabrik mit einer Jahresproduktion von 30.000 Robotern zu bauen. Dem Plan zufolge soll Atlas 2028 im Werk Georgia in den Vereinigten Staaten eingesetzt und dann auf alle Hyundai-Produktionsstandorte auf der ganzen Welt ausgeweitet werden.
Nach Bekanntgabe der Nachricht reagierte der Kapitalmarkt schnell und positiv und der Aktienkurs von Hyundai erreichte einen neuen Höchststand. Im krassen Gegensatz zum Anstieg der Aktienkurse sind die Hyundai-Gewerkschaften jedoch äußerst unzufrieden mit diesem Automatisierungsplan und werfen dem Unternehmen vor, Roboter einzusetzen, um Gewinne zu steigern und Arbeitskräfte zu reduzieren. Die Gewerkschaft betonte in einer Erklärung, dass die Arbeitnehmer diesen Plan niemals begrüßen würden, da der Einsatz von Robotern enorme Auswirkungen auf die Beschäftigung haben werde.

Als Reaktion auf externe Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Beschäftigung hat Hyundai die konsequente Aussage der Branche fortgesetzt und erklärt, dass Atlas darauf ausgelegt sei, die körperliche Belastung der Arbeitnehmer zu verringern und potenziell gefährliche Arbeiten auszuführen. Doch die Gewerkschaft glaubt, dass die eigentliche Überlegung in der langfristigen Kostenoptimierung liegt: Die Wartung eines Roboters wie Atlas kostet etwa 9.500 US-Dollar pro Jahr, weit weniger als das durchschnittliche Jahresgehalt eines Arbeitnehmers, und die Roboter erfordern keine Krankheitstage, Jahresurlaub, Ruhepausen oder Pausen zwischen Mahlzeiten und Toilettenpausen. Die Gewerkschaften behaupten, dies sei eine perfekte Ausrede für „Kapitalisten, die ihre Gewinne auf lange Sicht maximieren“.
Die Gewerkschaft kritisierte auch die Strategie von Hyundai, die Produktionskapazitäten im Ausland, insbesondere in den USA, weiter auszubauen. Hyundai sagte, sein Werk in Georgia plane, die jährliche Produktionskapazität bis 2028 auf 500.000 Fahrzeuge zu erhöhen, um der wachsenden Nachfrage auf dem US-Markt gerecht zu werden. Aus Sicht der Gewerkschaften wird eine solche externe Expansion in Verbindung mit dem Einsatz von Robotern die Verhandlungsposition und Beschäftigungsstabilität der lokalen Arbeitnehmer weiter schwächen.
Die Kontroverse über den Einsatz von Robotern als Ersatz für Arbeitskräfte in der Fertigung existiert nicht nur in der Neuzeit. Letztes Jahr wurde berichtet, dass Amazon plant, etwa 600.000 US-Lagerarbeiter durch Roboter zu ersetzen. Das interne Robotik-Team hofft, bis 2027 75 % der Abläufe des Unternehmens zu automatisieren und dadurch etwa 160.000 Positionen zu eliminieren, die ursprünglich von Menschen ausgeführt wurden. Amazon antwortete später, dass Roboter keine Arbeiter ersetzen würden, kündigte aber neben dieser Zusicherung auch zwei neue Lagerroboter an, die eindeutig darauf abzielten, Menschen zu ersetzen, was dazu führte, dass die öffentliche Meinung die Glaubwürdigkeit dieser Aussage in Frage stellte.
In einer Zeit, in der die generative künstliche Intelligenz eine große Diskussion darüber ausgelöst hat, ob Bürojobs verschwinden werden, verdeutlichen die Konflikte rund um humanoide Roboter und Fabrikautomation eine weitere, ebenso scharfe Kontroverse: Wie lange können Arbeiterjobs an Industriestandorten den Maschinen „herabgelassen“ werden?