Am Donnerstag verurteilte die Motion Picture Association of America (MPA) das neueste KI-Videogenerierungsmodell von ByteDance, Seedance 2.0, scharf und sagte, es habe nur einen Tag nach seiner Einführung eine „Flut“ von Urheberrechtsverletzungen ausgelöst. Auslöser dieser Kontroverse war ein KI-generiertes Video, das in den sozialen Medien viral ging und die Hollywood-Superstars Tom Cruise und Brad Pitt bei einem erbitterten Kampf auf einem Dach zeigt. Der Grad an Realismus ist atemberaubend.

ByteDance, die Muttergesellschaft von TikTok, behauptet, dass Seedance 2.0 einen „erheblichen Sprung“ in der Produktionsqualität darstellt. Die Motion Picture Association of America kauft es jedoch nicht. Ein Sprecher des Verbandes wies in einer Erklärung scharf darauf hin, dass Seedance 2.0 innerhalb nur eines Tages in großem Umfang Werke, die durch das US-Urheberrecht geschützt sind, unberechtigt genutzt habe. In der Erklärung wurde betont, dass ByteDance einen Dienst gestartet hat, dem es an wirksamen Maßnahmen zum Schutz vor Verstößen mangelt. Dies ignoriert nicht nur das ausgereifte Rechtssystem, das die Rechte der Urheber schützen soll, sondern bedroht auch den Lebensunterhalt von Millionen amerikanischer Filmschaffender. Die MPA verlangt von ByteDance eindeutig, diesen Verstoß sofort zu stoppen.

Dieser Vorfall erinnert an die Situation, als OpenAI im vergangenen Herbst Sora 2 veröffentlichte, was ebenfalls zu einer ähnlichen Urheberrechtskontroverse führte. Damals forderte die MPA auch OpenAI zu entschlossenem Handeln auf. Als Reaktion darauf führte OpenAI daraufhin strengere Sicherheitsmaßnahmen ein, wodurch es für Nutzer deutlich schwieriger wurde, Inhalte zu generieren, die gegen Studio-Urheberrechte verstoßen. Disney einigte sich später sogar mit OpenAI auf eine Lizenz für die Verwendung von 200 Zeichen in Sora 2, was viele in der Branche als Vorlage für eine Zusammenarbeit sehen, der andere Studios folgen könnten. Es ist jedoch unklar, ob ByteDance bereit ist, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, oder ob Urheberrechtsinhaber gezwungen sein werden, rechtliche Schritte einzuleiten. Bisher hat ByteDance nicht auf eine Anfrage nach einem Kommentar geantwortet.

Die von Seedance 2.0 generierten Videos lösten Panik und Ratlosigkeit in der Branche aus. Rhett Reese, der Drehbuchautor der „Deadpool“-Filmreihe, äußerte sich pessimistisch, nachdem er das Video zu „Tom Cruise vs. Pitt“ gesehen hatte: „Ich hasse es, es zu sagen, aber wir sind vielleicht wirklich dem Untergang geweiht. Bald wird nur eine Person, die vor einem Computer sitzt, in der Lage sein, Filme zu machen, die von Hollywoods bestehenden Vertriebsstandards nicht mehr zu unterscheiden sind.“

Der Autor des viralen Videos ist der irische Filmemacher Ruairi Robinson. Auf einer sozialen Plattform verriet er angesichts der Kontroverse im Internet, dass er halb im Scherz fragte: „Die heutige Frage lautet: Soll ich hingerichtet werden, weil ich zwei Textzeilen eingetippt und einen Knopf gedrückt habe?“

Neben den Kampfvideos von Tom Cruise und Brad Pitt sind im Internet auch zahlreiche mit Seedance produzierte Videoclips bekannter IPs wie „Spider-Man“, „Titanic“, „Stranger Things“, „Herr der Ringe“ und „Shrek“ aufgetaucht, die die riesigen Lücken des Tools im Urheberrechtsschutz aufzeigen.