Die neuesten australischen Untersuchungen zeigen, dass es für normale Menschen schwierig ist, durch künstliche Intelligenz generierte Gesichter zuverlässig von echten Gesichtern zu unterscheiden. Selbst für eine kleine Anzahl von Menschen, die als „Super-Erkenner“ bekannt sind, ist der Vorteil nicht offensichtlich. Forscher warnen davor, dass solche äußerst realistischen synthetischen Gesichter eine ernsthafte Herausforderung für die Sicherheitsüberprüfung und Identitätsüberprüfung darstellen könnten, da Menschen oft zu viel Vertrauen in ihre Fähigkeit haben, Personen zu identifizieren.

Die Forschung wurde gemeinsam von Psychologieteams der University of New South Wales (UNSW Sydney) und der Australian National University (ANU) durchgeführt und der Artikel wurde im British Journal of Psychology veröffentlicht. Das Forschungsteam wies darauf hin, dass heutige „synthetische KI-Gesichter“ in der subjektiven Wahrnehmung möglicherweise sogar „realer“ seien als echte Porträtfotos, und relevante experimentelle Daten stützen dieses Urteil.
James Dunn, ein Forscher an der School of Psychology der UNSW, sagte, die Menschen glaubten schon lange, sie könnten KI-generierte falsche Gesichter auf den ersten Blick erkennen. Frühe KI-Systeme erzeugten oft verzerrte, deformierte und unvollkommene Bilder, aber mit der schnellen Entwicklung generativer Modelle ist es extrem einfach geworden, ein äußerst realistisches Gesicht zu erstellen.
In dem spezifischen Experiment rekrutierten die beiden Universitäten insgesamt 125 Teilnehmer, darunter 36 Probanden, die als „Super-Erkenner“ identifiziert wurden, und 89 normale Teilnehmer als Kontrollgruppe. Alle absolvierten online den gleichen Test: Echte Gesichter und KI-generierte Gesichter wurden zufällig auf dem Bildschirm angezeigt, und die Probanden wurden gebeten, zu beurteilen, ob jedes „echt“ oder „synthetisch“ war.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Urteilsleistung gewöhnlicher Menschen nur geringfügig besser war als die zufällige Leistung „blinder“ Menschen, während die „Super-Erkenner“ höhere Gesamtwerte aufwiesen, ihre Vorteile jedoch sehr begrenzt waren. Was noch ironischer ist, ist, dass alle Teilnehmer unabhängig von ihrer Erkennungsfähigkeit gleich hohes Vertrauen in ihre „Fähigkeit hatten, künstliche KI-Gesichter zu durchschauen“, was auf eine erhebliche Selbstüberschätzung hindeutet.
Untersuchungen zeigen, dass moderne KI-generierte Gesichter nicht mehr so offensichtliche Mängel aufweisen wie in den Anfängen. Typische „Algorithmus-Spuren“ wie unscharfe Hintergründe, fehlende Organe und seltsame Proportionen von Gesichtszügen treten immer seltener auf. In der Folge häufen sich die potenziellen Risiken dieser äußerst verwirrenden gefälschten Gesichter in Szenarien wie Online-Betrug, Identitätsdiebstahl und Social-Engineering-Angriffen rapide an, wodurch sowohl Einzelpersonen als auch Institutionen geschädigt werden können.
Amy Dawel, außerordentliche Professorin an der ANU, weist darauf hin, dass sich die künstlichen KI-Gesichter von heute „nicht zeigen, weil etwas furchtbar falsch läuft, sondern weil sie zu gut sind“. Anstatt zu sagen, dass sie abnormal sind, ist es besser zu sagen, dass sie „zu normal“ sind: Das Gesicht ist sehr symmetrisch, die Gesichtszüge sind gut proportioniert und die Gesamtmerkmale liegen im statistischen Sinne im „Durchschnitt“. Sie sehen sowohl ansprechend als auch „schön für die Augen“ aus. Sie betonte, dass solche „ungewöhnlich perfekten“ und „zu durchschnittlichen“ Erscheinungsmerkmale selbst als potenzielles Gefahrensignal angesehen werden können, das von der KI erzeugt wird, und dass Menschen mit hervorragenden Fähigkeiten zur Gesichtserkennung diese subtilen Muster möglicherweise besser erfassen können.
Der nächste Plan des Forschungsteams besteht darin, weiter zu analysieren, auf welchen Wahrnehmungsmerkmalen diese „Super-KI-Fake-Gesichtsdetektoren“ basieren, um die Verbesserung technischer automatischer Erkennungswerkzeuge und Massenerkennungsstrategien voranzutreiben. Derzeit hat die UNSW auf ihrer offiziellen Website den Online-Test „UNSW Face Test“ gestartet, der eine kostenlose Demoversion der KI-Funktionen zur Erkennung gefälschter Gesichter enthält. Normale Benutzer können auch ihren eigenen Erkennungsgrad bewerten.
Nachdem er persönlich am Test teilgenommen hatte, stellte der Autor des Artikels fest, dass er 12 von 20 künstlichen Gesichtern zweimal korrekt identifiziert hatte. Nach offiziellen Angaben wird dieses Ergebnis voraussichtlich als „Super-Erkenner“ eingestuft, während die durchschnittliche Punktzahl normaler Teilnehmer bei etwa 11/20 liegt. Da sich KI-generierte Bilder immer weiter verbessern, reicht ein so geringer Vorsprung aus, um die wachsende Kluft zwischen Technologie und menschlicher Wahrnehmung hervorzuheben.