Gibt es in einer Welt mit Milliarden von Menschen wirklich nur etwa sechs Menschen zwischen Ihnen und einem Fremden? Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der israelischen Bar-Ilan-Universität veröffentlichte kürzlich eine Studie in „Physical Review“.

Das Konzept der „sechs Grad der Trennung“ entstand in den 1960er Jahren. Im Jahr 1967 entwarf der Harvard-Psychologe Stanley Milgram ein berühmtes Experiment: Er schickte Briefe an zufällig ausgewählte Personen im Mittleren Westen der USA und bat sie, zu versuchen, den Brief an eine bestimmte Zielperson in Boston zuzustellen, unter der Voraussetzung, dass er nur durch „Personen, die sie kannten“ zugestellt werden würde. Während die meisten Briefe nie ankamen, zeigten die Briefe, die tatsächlich ankamen, dass sie durchschnittlich nur etwa sechs Mal zwischen Absender und Empfänger hin- und herwechselten, ein Ergebnis, das zu dem Sprichwort führte: „Wir leben in einer kleinen Welt.“

Seitdem, mit der Entwicklung des Internets und der sozialen Medien, unterstützen immer mehr groß angelegte Daten dieses Phänomen. Untersuchungen haben ergeben, dass es auf sozialen Plattformen wie Facebook im Durchschnitt nur fünf bis sechs „Freundschaftsbeziehungen“ zwischen zwei Nutzern gibt; Ähnliche „Kurzweg“-Strukturen treten auch in E-Mail-Austauschnetzwerken, Netzwerken für die Zusammenarbeit von Film- und Fernsehschauspielern, Netzwerken für die Mitautorenschaft von Wissenschaftlern und Instant-Messaging-Plattformen auf. So unterschiedlich die Systeme auch sein mögen, das Muster „in wenigen Schritten verbinden“ wiederholt sich immer wieder.

Die Schlüsselfrage, die die neue Studie zu beantworten versucht, lautet: Warum kommt es zu diesem Ergebnis? Forscher aus Israel, Spanien, Italien, Russland, Slowenien, Chile und anderen Ländern haben vorgeschlagen, dass es bei den sozialen Verbindungen einer Person nicht nur um „mehr“ geht, sondern auch um „guten Standort“ – zum Beispiel den Aufbau von Verbindungen zu „Brückenfiguren“, die verschiedene Gruppen verbinden, was dabei hilft, Informationen und Einfluss zu gewinnen. Die Aufrechterhaltung jeder Beziehung erfordert jedoch Zeit und Energie. Im wirklichen Leben müssen Menschen ständig Kompromisse eingehen und sich dynamisch zwischen dem Aufbau neuer Beziehungen und dem Aufgeben alter Beziehungen einstellen. Dieses kontinuierliche Spiel prägt die Struktur des gesamten sozialen Netzwerks.

Auf dieser Grundlage erstellte das Forschungsteam ein mathematisches Modell, um den Prozess zu simulieren, bei dem Einzelpersonen bei begrenzten Ressourcen günstigere Netzwerkpositionen anstreben. Sie fanden heraus, dass dieser Prozess, wenn er sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt, zu einem stabilen Zustand tendiert: Jeder befindet sich an einem Gleichgewichtspunkt zwischen „Einflussvorteilen“ und „Kosten für die Aufrechterhaltung der Beziehung“. Überraschenderweise erzeugt dieser selbstorganisierende Prozess unabhängig von der Anpassung der Parameter letztendlich ein „Kleinwelt“-Netzwerk, in dem der durchschnittliche Abstand zwischen zwei beliebigen Menschen auf natürliche Weise etwa sechs Schritte beträgt.

Professor Baruch Bazell, einer der Autoren der Arbeit, wies darauf hin, dass dieses Ergebnis „erstaunlich“ sei, weil jedes Individuum im Modell nur lokale Entscheidungen basierend auf seiner eigenen Situation treffe, nicht die gesamte Netzwerkstruktur verstehe und nicht bewusst das Ziel der „sechs Grad der Trennung“ verfolge. Aber auf der Makroebene formen Millionen solcher lokaler Entscheidungen gemeinsam eine stabile kleine Weltstruktur und erzeugen dadurch „automatisch“ eine soziale Distanz von etwa sechs Schritten.

Die Forschung betont, dass diese Kurzwegstruktur nicht nur ein interessantes statistisches Phänomen ist, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Funktionsweise der realen Welt hat. Eine wichtige Voraussetzung für die schnelle Verbreitung von Informationen, Meinungen und Populärkultur im globalen Maßstab ist, dass die Menschen im Internet nur wenige Schritte voneinander entfernt sind. Derselbe Mechanismus erklärt auch die schnelle Ausbreitung von Infektionskrankheiten: Wie die COVID-19-Pandemie gezeigt hat, können Viren bereits nach wenigen Übertragungsrunden große geografische und soziale Distanzen überbrücken.

Eng vernetzte Netzwerke schaffen aber auch die Voraussetzungen für Zusammenarbeit. Professor Barzel wies darauf hin, dass diese Studie selbst ein Beispiel für „sechs Grad der Trennung“ sei – Wissenschaftler aus sechs Ländern können gerade deshalb ein gemeinsames Team bilden, weil Forscher aus verschiedenen Regionen und unterschiedlichen Fachgebieten letztlich über ein paar Sprünge im globalen akademischen Netzwerk verbunden werden können.

Das Forschungspapier trägt den Titel „Why Are There Six Degrees of Separation in a Social Network?“, wurde von I. Samoylenko, D. Aleja, B. Barzel und anderen mitunterzeichnet und von der Israel Science Foundation, dem Israel-China Joint Research Project und dem Data Science Institute der Bar-Ilan University finanziert. Das Forschungsteam ist davon überzeugt, dass die Bereitstellung einer universellen mathematischen Erklärung für „sechs Grad der Trennung“ nicht nur das Verständnis der Menschen für die Struktur sozialer Netzwerke vertiefen, sondern auch dazu beitragen wird, gezieltere Entscheidungen in den Bereichen öffentliche Gesundheit, Informationsverbreitung und Netzwerkverwaltung zu treffen.