Laut einer aktuellen Anordnung der indischen Kartellbehörde hat das amerikanische Unternehmen, nachdem eine Untersuchung ergeben hatte, dass Apple seine beherrschende Stellung auf dem Markt für iPhone-Anwendungen missbraucht hatte, immer noch nicht die erforderlichen Finanz- und Meinungsmaterialien vorgelegt, was die Aufsichtsbehörde dazu veranlasste, das Tempo zu erhöhen und nächsten Monat eine letzte Anhörung zur Bußgeldfrage anzuberaumen.

Die Competition Commission of India (CCI) wies in einer Anordnung vom 8. April darauf hin, dass Apple seit Oktober 2024 seine Finanzdaten und seine Ansichten zu den Schlussfolgerungen der Untersuchung nicht vorgelegt habe. Stattdessen zitierte es eine andere Klage, die es beim Obersten Gerichtshof von Delhi eingereicht hatte, um die Rechtmäßigkeit des gesamten indischen Rechtsrahmens für Kartellstrafen in Frage zu stellen. Die IHK verlangt in der Regel von Unternehmen, die gegen das Gesetz verstoßen haben, die Bereitstellung von Finanzinformationen, um die Höhe der Geldstrafen berechnen zu können.

Apple hat in diesem Fall jegliches Fehlverhalten bestritten und Bedenken geäußert, dass der Betrag bis zu 38 Milliarden US-Dollar betragen könnte, wenn die Aufsichtsbehörden die Geldbuße auf Grundlage des weltweiten Umsatzes berechnen würden. Die CCI sagte in ihrer Anordnung, dass Apple „ausreichend Gelegenheit“ gegeben worden sei, Einwände zu erheben oder zusätzliche Kommentare zum Untersuchungsbericht abzugeben, die erforderlichen Finanzinformationen jedoch noch nicht vorgelegt habe. Weder Apple noch CCI reagierten auf die Anfragen von Reuters nach einem Kommentar.

Der indische Fall ist nur einer der Kartellvorwürfe, mit denen Apple an vielen Orten auf der Welt konfrontiert wurde. Indien ist einer der wichtigsten Wachstumsmärkte von Apple. Daten des Marktforschungsunternehmens Counterpoint zeigen, dass der iPhone-Anteil am indischen Smartphone-Markt derzeit etwa 9 % beträgt, verglichen mit nur 4 % vor zwei Jahren. Obwohl die CCI Apple weitere zwei Wochen Zeit gab, um eine Antwort einzureichen, legte die Regulierungsbehörde zum ersten Mal eindeutig den 21. Mai als endgültigen Anhörungstermin fest.

Viele Rechtsexperten glauben, dass die Festlegung eines endgültigen Anhörungstermins bedeutet, dass die Regulierungspolitik härter wird. Der Anwalt und Kartellpartner von Dua Associates, Gautam Shahi, sagte, dass Apple nun die Möglichkeit habe, von Wirtschaftsprüfern zertifizierte Finanzdaten vorzulegen und in der Anhörung über die „Strafspanne“ der Geldbuße zu diskutieren; Wenn diese Gelegenheit verpasst wird, wird ihr Verteidigungsspielraum in Straffragen begrenzt sein.

Der Apple-Fall lässt sich bis ins Jahr 2021 zurückverfolgen, als eine gemeinnützige Organisation Einwände gegen die App-Store-Praktiken von Apple erhob. Später schlossen sich auch die „Tinder“-Muttergesellschaft Match und einige indische Start-ups dem Oppositionslager an. CCI-Ermittler veröffentlichten im Jahr 2024 einen Bericht, in dem festgestellt wurde, dass Apple seine beherrschende Stellung auf dem App-Markt ausnutzte, um unangemessene Gewinne zu erzielen, indem es Entwickler dazu zwang, sein eigenes In-App-Zahlungssystem zu verwenden. Apple hat argumentiert, dass es nur ein kleiner Akteur auf dem von Android-Handys dominierten indischen Markt sei und daher keine marktbeherrschende Stellung beanspruchen könne.

In ihrer Anordnung vom 8. April erwähnte die CCI auch, dass Apple im März dieses Jahres beantragt hatte, das Verfahren der Kommission mit der Begründung „auszusetzen“, dass ihre Anfechtung des Bußgeldgesetzes vor dem Obersten Gerichtshof von Delhi anhängig sei. Die IHK lehnte den Antrag jedoch ab und betonte wiederholt, dass Apple durch die Anfechtung des Bußgeldgesetzes versuche, die inhaltliche Anhörung des Kartellfalls zu verzögern.