Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, von der Millionen Menschen auf der ganzen Welt betroffen sind. Der klinische Beginn dauert oft Jahrzehnte, lange bevor offensichtliche Symptome auftreten. Eine neue Analyse, die auf der berühmten Dunedin-Kohortenstudie Neuseelands basiert, zeigt, dass bestimmte Blutbiomarker in Kombination mit den von den Teilnehmern selbst berichteten Gedächtnisproblemen auf frühe Anzeichen von Alzheimer-bedingten Veränderungen in der Lebensmitte hinweisen können. Das Forschungsteam geht davon aus, dass das mittlere Alter ein entscheidendes Zeitfenster für die Förderung der Gehirngesundheit und die Durchführung von Interventionen sein könnte.

Die Studie nutzte Langzeit-Follow-up-Daten der Dunedin-Studie der University of Otago, die dieselben Teilnehmer, die in den frühen 1970er Jahren geboren wurden, mehr als 50 Jahre lang begleitete. Die Forscher konzentrierten sich auf ein Protein namens pTau181 und untersuchten dessen Zusammenhang mit den von den Probanden selbst berichteten Gedächtnis- und Denkproblemen. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmer mit höheren pTau181-Blutspiegeln im Alter von 45 Jahren eher Bedenken hinsichtlich ihres Gedächtnisses und ihres kognitiven Status äußerten.
Dieser Befund ist von besonderer Bedeutung, da Menschen oft erst im Alter von 70 Jahren oder sogar später offiziell mit Demenz oder Alzheimer diagnostiziert werden. Mit anderen Worten: Das „schlechte Gedächtnis“ einiger Menschen mittleren Alters ist möglicherweise nicht einfach eine normale Alterung, sondern ein subjektives Signal für den frühen Krankheitsverlauf. Gleichzeitig haben die Medikamente gegen die Alzheimer-Krankheit zwar in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, doch die meisten von ihnen können derzeit nur das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und sind schwierig, kognitive Funktionen wiederherzustellen, die in späteren Stadien verloren gegangen sind. Daher gilt die frühzeitige Identifizierung von Hochrisikogruppen als wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung des Behandlungsnutzens.
In der Vergangenheit wurde eine endgültige Diagnose der Alzheimer-Krankheit oft nur durch eine Autopsie oder durch invasive Tests wie eine Lumbalpunktion zum Nachweis abnormaler Proteine in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gestellt. In den letzten Jahren hat sich die Forschung zunehmend auf Biomarker konzentriert, die im Blut nachgewiesen werden können, in der Hoffnung, Menschen, die sich möglicherweise im Frühstadium der Krankheit befinden, auf weniger invasive Weise zu identifizieren. Wenn Risikogruppen identifiziert werden können, bevor Symptome auftreten, besteht die Möglichkeit, früher vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und so die Gehirngesundheit und Lebensqualität im Alter insgesamt zu verbessern.
Das Forschungsteam wies darauf hin, dass die Prävention von Demenz darin bestehen kann, Menschen dazu zu ermutigen, sich regelmäßig körperlich zu betätigen, sich aktiv an sozialen Aktivitäten zu beteiligen und so früh wie möglich bei bestimmten veränderbaren Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Hörverlust einzugreifen. Einschlägige Untersuchungen zeigen, dass die Auswirkungen auf die Reduzierung des Demenzrisikos umso deutlicher sind, je früher Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden. Daher wird erwartet, dass die Durchführung groß angelegter Screenings und Risikoprofile im mittleren Alter mehr Zeit für die spätere Krankheitsprävention und -kontrolle gewinnen wird.
Mit zunehmendem Alter haben Menschen oft das Gefühl, dass ihr Gedächtnis nicht mehr so gut ist wie früher, aber in den meisten Fällen ist diese Vergesslichkeit ein häufiger und harmloser Teil des Alterns. Neuere Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass einige sehr subtile, subjektive kognitive Veränderungen lange vor der klinischen Diagnose auftreten und den Moment darstellen können, in dem die Krankheit vom Individuum „zum ersten Mal wahrgenommen“ wird. Wenn solche subjektiven Berichte mit objektiven biologischen Indikatoren wie bestimmten Proteinen im Blut kombiniert werden könnten, wäre es möglich, zwischen normalem Altern und den pathologischen Prozessen der frühen Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden.
Die Spiegel von Proteinen wie pTau181 sind bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit oft deutlich erhöht, aber der Punkt, an dem sie sich vor dem Ausbruch der Krankheit ansammeln, ist nicht vollständig geklärt. Die Ergebnisse ergänzen den Beweis dafür, dass einige der frühesten Anzeichen einer Demenz bereits Jahre vor der Diagnose auftreten können und dass selbstberichtete Gedächtnisprobleme bei Erwachsenen mittleren Alters ein Warnzeichen für die frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit sein können. Interessanterweise fand die Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den pTau181-Spiegeln im Alter von 45 Jahren und Veränderungen der Gehirnstruktur im Magnetresonanztomographen (MRT) oder der Leistung bei standardisierten kognitiven Tests.
Für dieses Ergebnis schlugen die Forscher mindestens zwei mögliche Erklärungen vor: Eine davon ist, dass pTau181 bereits im frühesten Stadium der Erkrankung anzusteigen beginnt, wenn Patienten bereits subjektiv das Gefühl haben, dass ihr Gedächtnis nachgelassen hat, die konventionelle Bildgebung des Gehirns jedoch strukturelle Veränderungen nicht erfassen kann. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass erhöhte pTau181-Spiegel im mittleren Lebensalter nicht direkt mit einem spezifischen Risiko für die Alzheimer-Krankheit verbunden sind und dass das Protein möglicherweise erst im höheren Alter einen größeren Vorhersagewert hat. Da die Schlussfolgerung ungewiss ist, plant das Forschungsteam, in den kommenden Jahrzehnten weiterhin dieselbe Gruppe von Teilnehmern zu beobachten, um die dynamische Beziehung zwischen Biomarkern, subjektiver Erfahrung und objektiver Gehirnfunktion zu beobachten.