Die Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) gab kürzlich bekannt, dass die gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) durchgeführte Merkur-Erkundungsmission „BepiColombo“ am 21. November dieses Jahres in der Merkur-Umlaufbahn eintreffen wird, etwa 11 Monate später als ursprünglich geplant, aber weiterhin wie geplant wissenschaftliche Beobachtungen durchführen kann.

„BepiColombo“ ist die dritte bemannte Erkundungsmission zum Merkur, die gemeinsam von JAXA und ESA durchgeführt wird. Es besteht aus drei Teilen: dem für den Transport zuständigen „Mercury Transfer Module“ (MTM), dem von der ESA entwickelten „Mercury Planetary Orbiter“ (MPO) und dem von JAXA entwickelten „Mercury Magnetospheric Orbiter“ (MMO). Die Hauptaufgabe des Transfermoduls besteht darin, die beiden Orbiter zum Merkur zu bringen, aber in den siebeneinhalb Jahren seit seinem Start im Oktober 2018 hat das Missionsteam seine Bordkameras auch verwendet, um mehrere bildgebende Beobachtungen der Erde, der Venus und des Merkur durchzuführen.
Gemäß dem ursprünglichen Flugplan musste das „Mercury Transfer Module“ einen Schwerkraftschub der Erde, zwei Schwerkraftschubs der Venus und sechs Schwerkraftschubsmanöver des Merkur durchführen. Allerdings versagte ihr Triebwerkssystem, was das Missionsteam dazu zwang, den Flugplan anzupassen und den offiziellen Eintritt in die Merkur-Umlaufbahn auf November 2026 zu verschieben, etwa 11 Monate später als ursprünglich geplant. JAXA hat auf seinem sozialen Konto eine Nachricht gepostet, die MMO-Missionen gewidmet ist. Darin wird zum ersten Mal das konkrete Ankunftsdatum klar angegeben – der 21. November – und es wird erklärt, dass die Sonde „sanft von der Schwerkraft des Merkur erfasst“ wird und in die Umlaufbahn eintreten wird.
Aktuellen Plänen zufolge wird sich Japans Mercury Magnetospheric Orbiter MMO am 10. Dezember vom Transfermodul trennen. Das Missionsteam geht davon aus, dass es mehrere Wochen dauern wird, bis die beiden Orbiter ihre Orbitanpassungen, Statusinspektionen und Instrumentenkalibrierungen abgeschlossen haben, bevor sie offiziell in die Phase der routinemäßigen wissenschaftlichen Beobachtung eintreten.
„BepiColombo“ ist die dritte Weltraumforschungsmission, die dem Merkur gewidmet ist, nach der US-amerikanischen „Mariner 10“ im Jahr 1973 und der „MESSENGER“, die 2004 gestartet wurde und anschließend den Merkur erfolgreich umkreiste. Bei dieser Mission trugen MMO und MPO eine Vielzahl wissenschaftlicher Instrumente. Die Forschungsziele umfassen wichtige wissenschaftliche Fragen wie die innere Struktur des Merkur, das Magnetfeld und die magnetosphärische Umgebung, mit dem Ziel, das Gesamtverständnis der Menschheit über diesen Planeten deutlich zu verbessern.
Das menschliche Verständnis von Merkur ist derzeit noch recht begrenzt. Der Grund dafür ist, dass der Planet zu nah an der Sonne ist, so dass Ortungsraumfahrzeuge nicht nur vermeiden müssen, von der starken Schwerkraft der Sonne „eingefangen“ zu werden, sondern auch mit großen Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Umlaufbahn und der langfristigen Betriebskontrolle konfrontiert sind. Selbst wenn es erfolgreich in die Umlaufbahn gelangt, ist die Umgebungstemperatur Hunderte von Kilometern über Merkur immer noch extrem hoch, was große Herausforderungen an das thermische Kontrolldesign des Raumfahrzeugs stellt. Die Europäische Weltraumorganisation verglich einmal die thermische Umgebung des Detektors mit „einem Laptop, der in einem Pizzaofen noch normal funktionieren kann“ und stattete MPO mit einem Kühler und 94 Kilogramm Wärmeisolationsmaterial aus, um den normalen Betrieb präziser wissenschaftlicher Nutzlasten zu schützen.
Merkur ist der kleinste Planet mit der höchsten durchschnittlichen Dichte im Sonnensystem. Gleichzeitig ist er aufgrund seiner Sonnennähe mit Bodenteleskopen nur sehr schwer zu beobachten. Zu starkes Sonnenlicht kann optische Präzisionsgeräte beschädigen. Unter solchen Umständen werden große Hoffnungen auf die Ankunft der Mission „BepiColombo“ gesetzt. Die Menschen hoffen, dieses Entdeckungsfenster nutzen zu können, um Wissenslücken über die innere Struktur von Merkur, die Eigenschaften der Magnetosphäre sowie die Entstehungs- und Evolutionsprozesse zu schließen. Angesichts der Tatsache, dass Merkur die Sonne sehr schnell umkreist und sich seine Umlaufposition schnell ändert, und dass er sich über viele Zeiträume tatsächlich näher an der Erde befindet als andere Planeten, wird diese Mission auch als wichtiger Schritt für die Menschheit angesehen, ihr Verständnis dieses Nachbarplaneten zu vertiefen.