Menschen scherzen oft darüber, „nicht sportlich“ zu sein und behaupten, sie seien „allergisch gegen Sport“. Aus medizinischer Sicht gibt es jedoch tatsächlich eine echte und potenziell lebensbedrohliche „Belastungsallergie“ – den durch körperliche Betätigung verursachten anaphylaktischen Schock. Die Krankheit bricht plötzlich bei mäßig intensiver körperlicher Betätigung aus und kann zu starkem Juckreiz am ganzen Körper führen, dem schnell schwere Symptome wie Atembeschwerden folgen. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, sind die Folgen schwerwiegend.

Aus der medizinischen Fachliteratur geht hervor, dass etwa 2,3 bis 5 % aller Fälle von anaphylaktischem Schock weltweit durch sportliche Betätigung hervorgerufen werden. Obwohl dies selten vorkommt, handelt es sich also nicht um einen Extremfall. Die Krankheit wurde erstmals in den 1970er Jahren von Ärzten in Colorado, USA, dokumentiert: Ein 30-jähriger Langstreckenläufer wurde wegen wiederholter schwerer allergischer Reaktionen beim Laufen mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert und schließlich wurde bei ihm ein durch körperliche Betätigung verursachter anaphylaktischer Schock diagnostiziert.

Weitere Tests ergaben, dass das Blut des Läufers immunologische Eigenschaften eines typischen anaphylaktischen Schocks aufwies. Die Ärzte untersuchten ihn und stellten fest, dass er nur beim Laufen nach dem Verzehr von Meeresfrüchten allergische Reaktionen zeigte und keine Symptome zeigte, wenn er vor dem Training keine Meeresfrüchte aß. Seitdem hat die medizinische Gemeinschaft nach und nach bestätigt, dass diese Art von Zustand, der durch die Überlagerung bestimmter Nahrungsmittel und Bewegung ausgelöst wird, als „nahrungsmittelabhängiger, durch körperliche Betätigung hervorgerufener anaphylaktischer Schock“ bezeichnet wird.

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass nicht jeder durch körperliche Betätigung verursachte anaphylaktische Schock mit Nahrungsmitteln zusammenhängt, sondern dass der nahrungsmittelabhängige Typ einer der wichtigen Subtypen ist. Bei diesem Subtyp gelten gängige Lebensmittel wie Schalentiere, Nüsse, Eier, Milch und Weizen als Auslöser mit hohem Risiko. Schwere allergische Symptome treten bei Patienten häufig nur dann auf, wenn sie innerhalb weniger Stunden nach dem Verzehr dieser Lebensmittel mäßigen oder hochintensiven Sport treiben. Essen oder Sport allein lösen möglicherweise keine Reaktion aus.

Es wurde festgestellt, dass neben der Nahrung auch mehrere „synergistische Faktoren“ an einem durch körperliche Betätigung verursachten anaphylaktischen Schock beteiligt sind. Relevante Studien und Fallberichte zeigen, dass einige Medikamente, akute Infektionen, Veränderungen des Hormonspiegels im Körper, Alkoholkonsum und Umweltallergene wie Pollen in Kombination mit körperlicher Betätigung schwere allergische Reaktionen auslösen können. Bei einigen Patienten reicht allein mäßiges bis starkes Aerobic-Training aus, um wiederkehrende Episoden eines anaphylaktischen Schocks auszulösen, selbst wenn klare Nahrungsmittel oder Umweltauslöser fehlen.

Aus klinischer Sicht ähneln die Symptome eines durch körperliche Betätigung verursachten anaphylaktischen Schocks stark denen anderer anaphylaktischer Schocks. Bei einigen Patienten kommt es zu allgemeinem Juckreiz, quaddelartigem Ausschlag, geschwollenen Lippen, Brennen im Mund und sogar Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen nach dem Training. In schweren Fällen können auch Kreislaufstörungen wie Atemnot, Asthma und Blutdruckabfall auftreten. Ohne rechtzeitiges Eingreifen kann es zu einem typischen anaphylaktischen Schock kommen. Studien haben gezeigt, dass diese Art von Reaktion häufig bei Aerobic-Übungen wie Joggen, Fußball und Tanzen auftritt und sogar bei scheinbar milden Aktivitäten wie Gartenarbeit auftreten kann.

Epidemiologische Daten zeigen, dass diese seltene Krankheit in jedem Alter und Geschlecht auftreten kann, häufig jedoch erst bei jungen Erwachsenen diagnostiziert wird. Eine zehnjährige Nachuntersuchung einiger diagnostizierter Patienten ergab, dass sich die Symptome der meisten Menschen unter langfristiger Behandlung verringerten oder stabilisierten. Forscher spekulieren, dass dies damit zusammenhängt, dass Patienten nach der Diagnose bewusst Vermeidungsstrategien anwenden, wie z. B. die Vermeidung hochintensiver körperlicher Betätigung oder die bewusste Vermeidung bekannter Auslöser.

Trotz steigender Fallzahlen ist die genaue Pathogenese des durch körperliche Betätigung verursachten anaphylaktischen Schocks von der wissenschaftlichen Gemeinschaft immer noch nicht vollständig geklärt. Viele Ärzte taten es zunächst einfach als „besondere Form der Nahrungsmittelallergie“ ab, doch spätere Studien haben diese einzige Erklärung nach und nach verworfen. Einige der neuesten oralen Immuntherapie-Studien geben Hinweise zum Verständnis der Krankheit: In diesen Studien nehmen Patienten mit Allergien gegen Erdnüsse, Weizen usw. täglich sehr kleine Mengen des Allergens zu sich, um das Immunsystem auf die Verträglichkeit der Nahrung zu „trainieren“.

Überraschenderweise fanden die Forscher in dieser Art von Studie heraus, dass, wenn Patienten kurz nach der Einnahme niedriger Dosen allergener Lebensmittel Sport trieben, der ursprünglich etablierte Immuntoleranzzustand „umgekippt“ werden und stattdessen allergische Reaktionen auftreten können. Auf dieser Grundlage gehen Wissenschaftler davon aus, dass es zu einem anaphylaktischen Schock kommen kann, wenn man nach dem Essen Sport treibt, auch wenn die Aufnahme allergener Lebensmittel um die Hälfte reduziert wird. Dies deutet darauf hin, dass Bewegung selbst die Schwelle für allergische Reaktionen deutlich senken und dadurch die Wirkung bestimmter Allergene verstärken kann.

Darüber hinaus wurde in der Studie auch festgestellt, dass einige Patienten keine eindeutige Vorgeschichte von Allergien hatten, aber nach mäßiger bis intensiver Aerobic-Übung wiederholt einen anaphylaktischen Schock erlitten. Solche Fälle deuten darauf hin, dass potenzielle „versteckte Allergene“ oder noch nicht identifizierte individuelle Anfälligkeitsfaktoren beteiligt sein könnten oder dass Bewegung selbst unter bestimmten Bedingungen direkt als „Auslöser“ wirken kann. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst bei ein und demselben Patienten der Verzehr bekannter allergener Lebensmittel und die anschließende Ausübung mäßiger bis intensiver körperlicher Betätigung möglicherweise nicht jedes Mal einen Anfall hervorrufen, was darauf hindeutet, dass der Auslöseprozess der Krankheit recht zufällig und unvorhersehbar ist.

Solche Phänomene weisen darauf hin, dass wir immer noch nicht genau vorhersagen können, wann ein durch körperliche Betätigung verursachter anaphylaktischer Schock auftreten wird. Forscher schließen daraus, dass es neben Ernährung, Bewegung und allgemeinen externen Faktoren möglicherweise Schlüsselvariablen gibt, die noch nicht identifiziert wurden und stillschweigend eine Rolle spielen. Dennoch gehen die meisten Wissenschaftler derzeit davon aus, dass eine Art Immunzelle namens „Mastzellen“ eine zentrale Rolle bei der Pathogenese spielt.

Mastzellen sind wichtige Frontsoldaten des Immunsystems und setzen eine Vielzahl reaktiver Chemikalien im Körper frei, darunter das bekannte Histamin. Unter normalen Umständen hilft Histamin bei der Regulierung des Blutflusses, fördert die Schleimproduktion und erweitert die Atemwege, um dem Körper bei der Bewältigung von Infektionen oder Verletzungen zu helfen. Bei allergischen Reaktionen ist jedoch Histamin der Schlüsselstoff, der typische Symptome wie Juckreiz, Hitzewallungen und eine Verengung der Atemwege verursacht.

Bei einem durch körperliche Betätigung verursachten anaphylaktischen Schock scheinen Mastzellen zur falschen Zeit abnormal aktiviert zu werden und geben innerhalb kurzer Zeit große Mengen Histamin und andere Entzündungsmediatoren in den Blutkreislauf ab. Die Folge ist eine plötzliche Kontraktion der Atemwege und Blutgefäße sowie eine Verengung der Atemwege, was dazu führt, dass der Patient schnell anaphylaktische Schocksymptome wie Atembehinderung und Blutdruckabfall entwickelt. Obwohl dieser Mechanismus noch nicht vollständig bewiesen ist, hat er sich mittlerweile zu einem gängigen Erklärungsrahmen in der akademischen Gemeinschaft entwickelt.

Da die ätiologischen Mechanismen weiterhin unklar sind, konzentriert sich die klinische Behandlung in diesem Stadium auf die Verringerung der Anfallshäufigkeit und die Verringerung der Schwere jeder Reaktion. Experten empfehlen den Patienten in der Regel, durch Verhaltensanpassungen „das Endergebnis herauszufinden“: Beginnen Sie mit Aktivitäten geringer Intensität, erhöhen Sie schrittweise die Menge und Intensität des Trainings und finden Sie eine Trainingsintensität, die der Einzelne innerhalb eines sicheren Bereichs verträgt. Gleichzeitig sollten Patienten ihre eigenen Reaktionen auf körperliche Betätigung zu unterschiedlichen Zeiten, unter unterschiedlichen Ernährungs- und Umweltbedingungen genau beobachten, um mögliche Auslöserkombinationen zu identifizieren.

Für Patienten mit bekannten Allergenen wie Nahrungsmitteln oder Medikamenten wird in professionellen Leitlinien häufig empfohlen, mindestens vier Stunden nach der Exposition gegenüber diesen Auslösern keine sportliche Betätigung zu betreiben, um das Risiko eines Anfalls zu verringern. Darüber hinaus werden die regelmäßige Überprüfung früherer Anfälle sowie detaillierte Aufzeichnungen über Ernährung und Medikamente vor dem Training als wichtige Hilfsmittel angesehen, um Ärzten bei der Beurteilung des Zustands und der Formulierung personalisierter Behandlungspläne zu helfen.

Sobald ein belastungsinduzierter anaphylaktischer Schock diagnostiziert wird, gilt es als „harte Anforderung“, einen Adrenalin-Autoinjektor (wie den üblichen EpiPen) mit sich zu führen, damit Sie sich oder einem Begleiter im Falle einer schweren Reaktion schnell eine Injektion geben können. Klinische Experten empfehlen solchen Patienten außerdem, gemeinsam mit ihren Begleitern Sport zu treiben und ihren Begleitern vorab ihren Zustand und die Erste-Hilfe-Maßnahmen zu erklären, damit sie Symptome erkennen, helfen können, mit dem Training aufzuhören und im Notfall rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.

Für Menschen, die einem höheren Risiko für leichte oder mittelschwere Anfälle ausgesetzt sind, verschreiben Ärzte manchmal nach eigenem Ermessen Antihistaminika, um leichtere Symptome wie Juckreiz und Hautausschlag zu lindern oder zu kontrollieren. Allerdings können Antihistaminika weder Adrenalin-Injektionen ersetzen noch einen schweren anaphylaktischen Schock von vornherein verhindern. Daher gelten sie eher als Hilfsmaßnahmen denn als Notfallmedikamente. Unabhängig davon, wie die Medikation angepasst wird: Sobald erste Anzeichen wie Hautausschlag, Engegefühl in den Lippen oder im Hals, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit usw. auftreten, sollten Sie sofort mit dem Training aufhören und den Rat Ihres Arztes befolgen.

Erwähnenswert ist, dass Langzeit-Follow-up-Daten zeigen, dass die meisten Patienten, bei denen ein durch körperliche Betätigung verursachter anaphylaktischer Schock diagnostiziert wurde, nach professioneller Anleitung immer noch einen relativ normalen und aktiven Lebensstil aufrechterhalten können. Durch die Steigerung der Aufmerksamkeit, die Anpassung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten und die Kombination mit der notwendigen medikamentösen Intervention können die meisten Patienten weiterhin die Vorteile von Bewegung bei kontrollierbaren Risiken genießen. Aber für jeden, der während des Trainings unerklärliche schwere allergische Symptome verspürt, sind eine frühzeitige medizinische Untersuchung und die Entwicklung eines Präventionsplans immer noch entscheidende Schritte, um zu verhindern, dass gesunde Gewohnheiten zu medizinischen Notfällen werden.