Am 8. Juni berichtete Reuters, dass Elon Musk diese Woche seinen bahnbrechenden Geschäftsstil auf den IPO-Markt bringen wird. Sein Raketen- und Satellitenhersteller SpaceX wird nach einem Modell an die Börse gehen, das andere Unternehmen noch nie übernommen haben.

SpaceX
SpaceX hat mit seiner rekordverdächtigen Listing-Finanzierung in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar gegen die traditionellen IPO-Regeln der Wall Street verstoßen. Hier sind fünf Hauptunterschiede beim Börsengang von SpaceX:
1. Es gibt keine IPO-Preisspanne
Der Zielwert von SpaceX liegt bei etwa 1,8 Billionen US-Dollar, bei einem nicht verhandelbaren Preis von 135 US-Dollar pro Aktie. SpaceX legte den Preis im Vorfeld eines Roadshow-Meetings mit Investoren fest. In der Vergangenheit nutzte die Wall Street üblicherweise Roadshows, um die Marktnachfrage zu testen und die Angebotspreisspanne festzulegen.
Dies ist ein echter Bruch mit dem traditionellen IPO-Prozess. „Normalerweise bietet eine Preisspanne den Anlegern einen Ausgangspunkt und ermöglicht es dem Unternehmen, sich auf der Grundlage des Feedbacks während der Roadshow anzupassen. Wenn man mit einem festen Preis beginnt, verändert sich die Roadshow von einem Preisfindungsprozess zu eher einem Verkaufsprozess.“ sagte Matt Kennedy, leitender Stratege bei Renaissance Capital, das sich auf IPO-Research und börsengehandelte Fonds konzentriert.
Natürlich hängt die Fähigkeit des Unternehmens, seinen Aktienkursplan umzusetzen, letztendlich von der Marktnachfrage ab. Der endgültige IPO-Preis wird am 11. Juni festgelegt, wenn alles bekannt ist, und die Aktien des Unternehmens werden am nächsten Tag an der Nasdaq gehandelt.
2. Privatanleger haben einen großen Anteil an Zuteilungen
SpaceX ändert die Ziele für neue Aktienzuteilungen und drängt Investmentbanken auch dazu, die Zeichnungsgebühren für Börsengänge zu senken.
Gewöhnliche Privatanleger ohne Kapital in Millionenhöhe haben in der Regel nur wenige Möglichkeiten, sich an IPO-Zeichnungen zu beteiligen. Reuters berichtete jedoch zuvor, dass SpaceX erwägt, bis zu 30 % der Emission an einzelne Anleger zu verteilen. Das ist ein ungewöhnlich großer Anteil an Einzelhandelsplatzierungen, der darauf abzielt, von Musks riesiger Basis treuer Fans zu profitieren.
„Einzelhandelsplatzierungen sind so groß, dass sie diese Gruppe von Stamminvestoren, die gerne daran interessiert sind, möglicherweise als eine Art Sicherheitsnetz betrachten“, sagte Brian Jacobsen, Chef-Wirtschaftsstratege bei Ankers Wealth Management.
3. Vorverkauf von Aktien
SpaceX-Mitarbeiter können einen Teil ihrer Aktien schrittweise verkaufen, bevor eine standardmäßige sechsmonatige Sperrfrist abläuft, heißt es in der Akte. Dies deutet darauf hin, dass der Raketenhersteller sich keine allzu großen Sorgen darüber macht, dass Insiderverkäufe seinen Aktienkurs belasten könnten.
Bei fast allen Notierungen handelte es sich um neu ausgegebene Aktien (d. h. „Primärmarktemissionen“). Beide Strategien sind zwar ungewöhnlich, aber nicht ohne Präzedenzfälle. Musk selbst muss seine Aktien für etwa ein Jahr sperren.
4. Musk hat viel Kontrolle
Musk verkauft Anteile, ist aber weit davon entfernt, die Kontrolle über das Unternehmen abzugeben.
Bei herkömmlichen Börsengängen wird die Aufsicht über das Unternehmen in der Regel schrittweise ausgeweitet. Während viele Tech-Gründer mit speziellen Aktienklassen mit Superstimmrecht einen übergroßen Einfluss ausüben, zeigt der Prospekt von SpaceX, dass Musk nach dem Börsengang bis zu 85,1 % der gesamten Stimmrechte des Unternehmens behalten wird.
Das ist erst der Anfang. Als CEO kann Musk nicht ohne seine Zustimmung entlassen werden. Darüber hinaus hat SpaceX eine Reihe von Governance-Bestimmungen hinzugefügt, um es den Aktionären zu erschweren, die Entscheidungen des Unternehmens anzufechten, wie etwa die Festlegung von Mindestschwellen für den Aktienbesitz für bestimmte rechtliche Schritte und die Begrenzung von Aktionärsanträgen.
5. Setzen Sie auf Menschen, nicht auf das Geschäft
Viele Anleger betrachten eine Investition in SpaceX als eine Wette auf Musk selbst und nicht als eine Wette auf eine bestimmte Technologie. Sie mögen Musk: Laut Reuters plant SpaceX, 75 Milliarden US-Dollar einzusammeln, und die Marktnachfrage nach seinen Aktien liegt bei etwa 150 Milliarden US-Dollar.
SpaceX selbst muss erst noch beweisen, ob sein Kerngeschäft am Ende tatsächlich überleben kann. Das Unternehmen verliert derzeit Geld, hauptsächlich aufgrund seiner enormen Investitionen in KI-Computer, und ein wichtiger Teil der Zukunftspläne des Unternehmens besteht darin, solarbetriebene Rechenzentren in den Weltraum zu schicken. Darüber hinaus hat SpaceX enorme finanzielle Anreize für Musk gesetzt, um die Kolonisierung des Mars zu fördern.
Der derzeit profitabelste Geschäftsbereich von SpaceX ist das Satelliten-Internetgeschäft „Starlink“, doch dieses Geschäft befindet sich noch im Aufbaustadium und befindet sich in der Markterprobung. Darüber hinaus hängt der zukünftige Erfolg von SpaceX weitgehend von einer riesigen Rakete ab, die noch getestet wird: Starship.
Die „Poetik“ der Mission von SpaceX steht jedoch außer Frage. Wie das Unternehmen es ausdrückt: „Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien zu entwickeln, die notwendig sind, um das Leben als multiplanetare Spezies zu ermöglichen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins auf die Sterne auszudehnen.“