Die Universität Turku in Finnland und eine Reihe wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen haben kürzlich gemeinsam eine multidisziplinäre Studie veröffentlicht, die ein altes Grab vor etwa 400 Jahren in der Nähe des Kitka-Sees in Kusamo im Norden Finnlands erneut analysierte. Es wurde festgestellt, dass das männliche Individuum im Grab genetisch dem heutigen Sami-Volk sehr nahe stand und seine lebenslangen Fußabdrücke sich wahrscheinlich über den Nordatlantik und sogar bis nach Island erstreckten.

Dieses Grab wurde erstmals in den 1970er Jahren am Ufer des Kitka-Sees entdeckt. Die neueste Forschung extrahierte alte DNA aus den Zähnen des Grabbesitzers und verglich sie mit veröffentlichten Genomdaten antiker und moderner Populationen. Die Ergebnisse zeigten, dass der Mann, der im Alter von etwa 40 Jahren starb, in seiner genetischen Ausstattung dem historischen und zeitgenössischen Volk der Sami am nächsten kam. Untersuchungen zeigen auch, dass er auch ein gewisses Maß an Kurzsegment-DNA mit heutigen Finnen teilt, insbesondere die genetische Verwandtschaft mit Menschen, die im Norden und Nordosten Lapplands leben, während die genetische Verbindung mit den Einheimischen in Kuusamo und Südfinnland relativ schwach ist.
Die Forscher wiesen darauf hin, dass bei einer ähnlichen Analyse des heutigen Sami-Volkes ähnliche genetische Muster wie bei den „Kitka-Individuen“ auftauchten, was darauf hindeutet, dass die Ergebnisse keine Einzelfälle widerspiegelten, sondern umfassendere und fortlaufende historische Interaktionen und genetischen Austausch zwischen den Sami und Finnen. Das Forschungsteam betonte jedoch auch, dass alte DNA zwar bei der Rekonstruktion von Bevölkerungsmigrationen und Beziehungsgenealogien helfen kann, sie jedoch nicht zur Definition der ethnischen Identität oder kulturellen Zugehörigkeit einer bestimmten Person verwendet werden kann. Die samische Identität wird als historisches, kulturelles und soziales Phänomen und nicht als einzelner biologischer Marker betrachtet.
Aufgrund des Alters des Grabes hat das „Kitka-Individuum“ auch die Aufmerksamkeit von Genealogie-Enthusiasten auf sich gezogen, aber das Forschungsteam machte deutlich, dass die vorhandenen DNA-Beweise nicht ausreichen, um dieses Individuum aus der Zeit um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zuverlässig auf eine bestimmte zeitgenössische Familie oder Einzelperson zurückzuführen. Im breiteren Rahmen der bevölkerungsgeschichtlichen Forschung ist diese bestattete Person eher repräsentativ für ihre Gesamtverbindung mit der samischen Bevölkerung als für ihre genaue Übereinstimmung mit einer einzelnen Abstammungslinie.
Die in Verbindung mit der genetischen Analyse durchgeführte Isotopenanalyse lieferte wichtige Hinweise auf den Lebensweg des Mannes. Durch die Analyse von Isotopensignalen in seinen Zähnen, die seine Ernährung und Trinkwasserquellen während der Kindheit und Jugend widerspiegeln, fand die Studie heraus, dass seine Nahrungsstruktur während seiner Wachstumsphase Landtiere, Süßwasserfische und Meeresressourcen umfasste. Im späteren Leben nahm der Anteil von Meeresnahrungsmitteln in seiner Ernährung jedoch deutlich zu und Süßwasserfische – eine traditionell wichtige Nahrungsquelle in der Region Kuusamo – verschwanden praktisch. Gleichzeitig zeigte die in den Zähnen aufgezeichnete Isotopensignatur des Trinkwassers, dass sich der geologische Hintergrund der Gegend, in der er als Junge lebte, deutlich von der des finnischen Festlandes unterschied.
Basierend auf geochemischen Merkmalen und historischen dokumentarischen Beweisen geht das Forscherteam davon aus, dass der Mann während seiner Teenagerjahre höchstwahrscheinlich in einem vulkanischen Grundgesteinsgebiet im Nordatlantik lebte, wobei Island das am besten geeignete Kandidatengebiet ist. Diese Schlussfolgerung wird durch historische Aufzeichnungen umfangreicher Verbindungen zwischen Nord-Fennos, Skandinavien und der Nordatlantikregion im 16. Jahrhundert bestätigt, was darauf hindeutet, dass die Bandbreite der Aktivitäten der Menschen in hohen Breitengraden in Nordeuropa zu dieser Zeit weit über die bisherige Vorstellungskraft hinausging.
Frühere Studien spekulierten aufgrund der Form des Grabes und der Bestattungsbedingungen, dass es sich bei dem „Kitka-Individuum“ um einen samischen Zauberer (Noaidi) oder einen Ritualexperten mit besonderen religiösen Funktionen handeln könnte. Diese neueste umfassende bioarchäologische Analyse leugnet diese Möglichkeit nicht vollständig, aber die Ergebnisse zeigen, dass seine Lebenserfahrung und seine soziale Rolle wahrscheinlich komplexer sind als die bestehenden Erzählungen und die Stereotypen der historischen samischen Gesellschaft in alten Studien nicht einfach angewendet werden können. Das Forschungsteam wies darauf hin, dass diese Studie die soziale Struktur und Mobilität des samischen Volkes im 16. Jahrhundert auf individueller Ebene zeigt, was sich deutlich von der Beschreibung der sozialen Rollen der Sami in der traditionellen Literatur unterscheidet.
Diese Studie nutzt das „Kitka-Individuum“ als Hinweis und ordnet durch eine Kreuzanalyse antiker DNA und Isotope einen nordischen Mann, der vor vierhundert Jahren lebte, in einen breiteren historischen und geografischen Kontext ein. Die Forschung liefert nicht nur neue Erkenntnisse zum Verständnis der historischen Entwicklung des samischen Volkes und seiner langfristigen Interaktion mit der finnischen Bevölkerung, sondern ergänzt auch die archäologischen und biologischen Beweise des überregionalen Austauschnetzwerks im Nordatlantikraum im 16. Jahrhundert. Relevante Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift BMC Genomics veröffentlicht. Der Artikel trägt den Titel „Bioarchäologische Analyse enthüllt die Lebensgeschichte von Sami-Individuen aus dem 16. Jahrhundert in der Region Kusamokitka im Norden Finnlands.“