Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) gab kürzlich bekannt, dass es DeNA, dem Entwickler des beliebten Handyspiels „Pokémon Trading Cards Pocket“, insgesamt 1,5 Milliarden Yen (ca. 92,7 Millionen US-Dollar) an Subventionen zur Verfügung stellen wird, um sein Geschäft mit der Entwicklung mobiler Spiele zu unterstützen. Allerdings sorgte die Entscheidung in den sozialen Medien Japans für Aufruhr, da sich die Leute fragten, warum riesige Steuergelder in ein profitables börsennotiertes Unternehmen investiert wurden.

Diese Subvention stammt aus dem von der japanischen Regierung ins Leben gerufenen Projekt „IP360“, dessen Ziel es ist, die Schaffung neuen inländischen geistigen Eigentums zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Content-Industrie auf dem Weltmarkt zu verbessern. DeNA wurde zusammen mit großen Herstellern wie Sega, Konami, Square Enix, Koei Tecmo und Arc System Works als erste Gruppe von Subventionsempfängern in der Kategorie „Umfassende Unterstützung für Großproduktionen“ ausgewählt. Gleichzeitig gewährt das Programm unabhängigen Entwicklern Zuschüsse in Höhe von bis zu 10 Millionen Yen (ca. 62.000 US-Dollar).

Die Kritik konzentrierte sich auf die gerechte Verteilung öffentlicher Gelder. Viele japanische Internetnutzer äußerten große Unzufriedenheit. In zahlreichen Kommentaren wurde die Frage gestellt, warum Steuergelder dazu verwendet werden, „kapitalreiche“ Großunternehmen zu subventionieren: „Welche Vorteile werden wir normalen Menschen davon haben, wenn die Spiele von DeNA populär werden, während wir die Budgets öffentlicher Museen und Kunstgalerien kürzen und gleichzeitig Geld an Unternehmen für mobile Spiele geben?“
Einige Nutzer sagten unverblümt, dass der Ansatz der Regierung „nicht darin besteht, neue Talente zu fördern, sondern die Starken stärker zu machen“.

Alwei, Vertreter von Indie-us Games, erklärte, dass es für unabhängige Entwickler tatsächlich äußerst schwierig sei, solch riesige staatliche Subventionen zu erhalten. Die Antragsvoraussetzungen sind äußerst streng und die Auszahlung der Zuschüsse erfolgt oft auf einer „Post-Payment“-Basis – Auszahlungen erfolgen erst nach Abschluss des Projekts. Einzelpersonen oder kleine Teams mit schwacher Risikoresistenz können nach dem Scheitern des Projekts die entsprechenden Verantwortlichkeiten nicht mehr tragen. Im Gegensatz dazu haben große Unternehmen mit stabilen Umsätzen und beachtlicher Leistung naturgemäß deutlich höhere Chancen, dass ihre Anträge genehmigt werden.