Ein großes internationales Team aus Astronomen und Astrophysikern hat Hinweise darauf gefunden, dass es sich bei der Kleinen Magellanschen Wolke nicht um eine einzelne Galaxie handelt, sondern um zwei Galaxien hintereinander. Die Gruppe verfasste einen Aufsatz, in dem sie ihre Arbeit beschrieb, und veröffentlichte ihn auf dem Preprint-Server arXiv.

Viele Jahre lang glaubte man, die Magellanschen Wolken seien zwei unregelmäßige Zwerggalaxien, die sehr nahe beieinander auf der Himmelssphäre der südlichen Hemisphäre zu sehen seien. Aufgrund ihrer Größe werden sie auch Große Magellansche Wolke und Kleine Magellansche Wolke genannt. In den späten 1980er Jahren deuteten einige Hinweise darauf hin, dass es in der Kleinen Magellanschen Wolke (SMC) nicht nur eine, sondern zwei Zwerggalaxien gab. In dieser neuen Studie fanden Forscher weitere Beweise dafür, dass es sich bei der Kleinen Magellanschen Wolke tatsächlich um zwei kleine Zwerggalaxien handelt.

Um mehr über die SMC zu erfahren, untersuchte das Team zunächst Daten des Gaia-Observatoriums der ESA, anhand derer es die durchschnittliche Geschwindigkeit der Sterne in jedem Teil der SMC schätzte. Als nächstes untersuchten sie Daten des Galaxy Australian Square Kilometre Array Pathfinder, einem Radioteleskop-Array in Westaustralien, um mehr über das interstellare Medium der SMC und LMC zu erfahren. Sie analysierten auch APOGEE-Vermessungsdaten des Sloan Foundation Telescope und des Bidirektionalen 300-Faser-Spektrographen des New Mexico State University Telescope, beide am Apache Point Observatory in New Mexico.

Unter Berücksichtigung aller Beweise stellten die Forscher fest, dass die beiden „Teile“ von SMC chemisch unterschiedlich sind. Sie fanden auch heraus, dass die beiden Teile unterschiedliche Geschwindigkeiten hatten, wobei sich der näher an der Galaxie liegende Teil schneller zu bewegen schien. Sie fanden auch heraus, dass die beiden Teile ungefähr die gleiche Masse hatten und dass beide Teile mit dem LMC interagierten.

Insgesamt kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Beweise stark darauf hindeuten, dass es zwei einzigartige Galaxien gibt, von denen eine relativ zur Erde fast hintereinander liegt. Sie stellen fest, dass diese Positionierung erklärt, warum erst kürzlich festgestellt wurde, dass es sich bei der SMC wahrscheinlich um zwei Galaxien handelt.

Das Team berechnete außerdem, dass die nähere der beiden Galaxien etwa 199.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, während die weiter entfernte etwa 215.000 Lichtjahre entfernt ist.