Das von SpaceX betriebene Satelliten-Internetnetzwerk Starlink zerstört derzeit durchschnittlich ein bis zwei Satelliten pro Tag, indem es in die Atmosphäre fällt, und die Rate könnte sich noch beschleunigen. Jonathan McDowell, Astrophysiker und Weltraumverfolgungsexperte an der Harvard University, sagte, dass die tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt, wenn Satelliten mit so hoher Frequenz ausscheiden und wieder in die Atmosphäre eintreten, noch unklar seien, Starlink jedoch nicht das riskanteste Satellitennetzwerk im Hinblick auf Weltraummüllprobleme sei.

McDowell sagte in einem Interview mit EarthSky, dass mit der schrittweisen Erweiterung großer Satellitenkonstellationen mit niedriger Umlaufbahn wie Starlink und Amazon Kuiper die Gesamtzahl der Satelliten bald etwa 30.000 erreichen werde. Bis dahin könnten jeden Tag fünf Satelliten in die Atmosphäre eintreten und verglühen, und die durchschnittliche Lebensdauer eines einzelnen Satelliten wird etwa fünf Jahre betragen. „The Register“ interviewte McDowell diese Woche weiter und erfuhr, dass Starlink zwar proaktiv Maßnahmen zur Vermeidung von Kollisionen und zur ordnungsgemäßen Stilllegung ergriffen hat, um das Risiko eines „Kessler-Syndroms“ zu verringern, es jedoch abzuwarten bleibt, ob seine Operationen langfristig effektiv sein können.
Die aktuelle Stilllegungsstrategie von Starlink besteht darin, die Umlaufbahn mithilfe der eigenen Triebwerke des Satelliten auf weniger als 600 Kilometer abzusenken und sich dann auf den atmosphärischen Widerstand zu verlassen, um nach einem Ausfall der Umlaufbahn schnell auszubrennen. Wenn diese Maßnahmen reibungslos umgesetzt werden können, könnte eine niedrige Umlaufbahn möglicherweise katastrophale Kollisionen verhindern. McDowell warnte jedoch davor, dass hochdichter Weltraumschrott immer noch ernsthafte Risiken darstellen könne, wenn ungewöhnliche Ereignisse wie Sonnenstürme oder starke Strahlung dazu führen, dass viele Satelliten gleichzeitig ausfallen. Nach einer Schätzung der Größe der Konstellation von 30.000 bleiben selbst bei einem Ausfall von nur 1 % der Satelliten etwa 300 Satelliten, die nicht aktiv stillgelegt werden können, noch lange im Orbit, was ein enormes Risikopotenzial mit sich bringt.
McDowell wies auch ausdrücklich darauf hin, dass Chinas Satellitenprogramm der neuen Generation noch größere Herausforderungen mit sich bringt. Viele chinesische Konstellationen werden in Umlaufbahngebieten von 600 bis 1.000 Kilometern angeordnet, einem Gebiet, das bereits eine große Menge sowjetischer Raketentrümmer und anderer Weltraumschrott aus der Geschichte enthält. Wenn die Anzahl der Satelliten in diesem Bereich weiter zunimmt, wird die Wahrscheinlichkeit einer Orbitkatastrophe erheblich steigen. Gleichzeitig sind auch chinesische Satelliten geplant, die in Umlaufbahnen von mehr als 1.000 Kilometern stationiert werden sollen. Sobald diese Satelliten ausfallen, wird es äußerst schwierig sein, sie durch den Luftwiderstand zu entfernen, und sie werden Hunderte von Jahren im Orbit bleiben. Derzeit haben chinesische Beamte keine konkreten Pläne für das Ende der Stilllegung dieser Satelliten mit hoher Umlaufbahn bekannt gegeben.
McDowell glaubt, dass die Gefahr des Kessler-Syndroms im Weltraum zwar ernst ist, die langfristigen Folgen jedoch noch schrecklicher sein könnten, wenn Menschen die Atmosphäre in eine „Satellitenverbrennungsanlage“ verwandeln und dadurch die Umwelt der Erde verschmutzen. Studien haben ergeben, dass etwa 10 % der Metallverschmutzung in Aerosolen der oberen Atmosphäre von abgebrannten Raketen und Satelliten stammt. Mit der Ausweitung von Konstellationen mit niedriger Umlaufbahn könnte dieser Anteil auf 50 % steigen. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich derzeit nicht sicher, welche Auswirkungen die Satellitentrümmer nach dem Verbrennen auf die Atmosphäre haben werden. Einige glauben, dass die Auswirkungen schwach sein werden, aber es gibt auch Studien, die davor warnen, dass es in Zukunft zu einer Krise kommen könnte. Daher ist es notwendig, auf dieses Risiko zu achten.
McDowell kam zu dem Schluss: „Es gibt Anzeichen dafür, dass die Umweltauswirkungen des Wiedereintritts und Verbrennens von Satelliten in die Atmosphäre sichtbar werden, aber der konkrete Schaden muss noch weiter bestätigt werden, was mir Sorgen bereitet.“