Der Large Hadron Collider (LHC) des CERN, einst berühmt für die Entdeckung des Higgs-Bosons und für die Förderung des neuen Verständnisses der physikalischen Realität durch die Menschheit, hat nun eine neue, bodenständigere Aufgabe: die Bereitstellung von Zentralheizung für Tausende von Häusern und Gewerbegebäuden in umliegenden Gemeinden.

Mit einer Gesamtlänge von rund 26,7 Kilometern ist der LHC derzeit der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. Um subatomare Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen und hochenergetische Kollisionen zu verursachen, verbraucht diese „Riesenmaschine“ jedes Jahr etwa 600 bis 750 Gigawattstunden Strom und erzeugt erhebliche Abwärme. In der Vergangenheit wurde diese Wärme hauptsächlich über Verdunstungskühltürme an die Atmosphäre abgegeben. Jetzt hat CERN beschlossen, „Abfall in Schätze zu verwandeln“, indem es diese ursprünglich verschwendete Wärmeenergie nutzt, um seinen ökologischen Fußabdruck durch ein Projekt namens „Large Hadron Collider Beauty (LHCb) Experiment“ zu verbessern.

In diesem Projekt installierte CERN eine Wärmeaustauschvorrichtung am Punkt 8 des Collider-Loops, der sich in der Nähe der französischen Stadt Ferney-Voltaire in der Nähe von Genf befindet. CERN arbeitet mit der lokalen Regierung zusammen, um die aus dem Beschleunigersystem gewonnene Wärme über Wärmetauscher in das neu errichtete lokale Fernwärmenetz einzuspeisen, um mehrere Wohn- und Gewerbegebäude in der Zone d’Aménagement Concerté Ferney-Genève Innovation zu beheizen.
Dieses System wurde im Dezember letzten Jahres offiziell in Betrieb genommen und geht nun schrittweise in den Vollbetrieb. CERN-Energiekoordinatorin Nicola Bellegarde erklärte, dass bei der traditionellen Struktur Hochtemperatur-Kühlwasser zunächst zum Kühlturm geleitet wird, um die Wärme an die Atmosphäre abzugeben, und dass das gekühlte Wasser dann zur Wiederverwertung zurück in die Ausrüstung eingespritzt wird. Im neuen Plan soll dieses Hochtemperatur-Kühlwasser zunächst durch zwei Wärmetauscher mit einer Einzelleistung von 5 MW fließen und dann die Wärmeenergie an das neue Wärmenetz von Ferney-Voltaire übertragen, wodurch die direkte Nutzung der Abwärme aus dem Collider-Betrieb für die Stadtheizung realisiert wird.

Durch diese Transformation spielt der LHC nicht nur weiterhin eine Schlüsselrolle im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung, sondern zeigt auch einen neuen gesellschaftlichen Wert in der Energienutzung und nachhaltigen Entwicklung und bietet ein anschauliches Beispiel für eine groß angelegte wissenschaftliche Forschungsinfrastruktur zur Suche nach umweltfreundlichen „Nebenjobs“.