Nach einem ruhigen Tag am vergangenen Freitag kündigte die UAW (United Auto Workers) plötzlich an, dass die Arbeiter im Ford-Lkw-Werk in Kentucky in den Streik treten und 8.700 Arbeiter an einer Streikkundgebung teilnehmen würden. Dieser Schritt überraschte den Markt und wurde als Eskalation des Vorgehens der UAW gewertet. Das Ford Kentucky Truck Plant ist eines der größten Automobilwerke der Welt und das größte Werk von Ford. Das Unternehmen produziert einige der wichtigsten Modelle von Ford, darunter schwere Lkw der F-Serie und Full-Size-SUVs, und hat Ford schon immer enorme Gewinne beschert.

UAW-Präsident Shawn Fain sagte, die Gewerkschaft habe es sehr deutlich gemacht und schon lange gewartet, aber Ford habe immer noch nicht reagiert. Wenn die Autohersteller die Forderungen der Gewerkschaft nicht nachvollziehen können, hilft ihnen hoffentlich die Schließung der Lkw-Werke von Ford.

Nach Angaben eines Ford-Managers hätten sich Ford und die UAW am Mittwochabend unter schlechten Bedingungen beinahe getrennt. Die Gewerkschaft möchte, dass Ford ein anderes Angebot unterbreitet, als sie zuvor vorgeschlagen hatte, und liegt damit vor General Motors und Stellantis bei einer Lohnerhöhung von 23 %. Doch nach ein paar Minuten kurzer Diskussion beendete Fain das Treffen mit der Aussage, Ford habe das Lkw-Werk verloren.

Mutiges Upgrade

Das Ford-Werk in Kentucky erwirtschaftet jährlich etwa 25 Milliarden US-Dollar Umsatz, was etwa einem Sechstel des weltweiten Gesamtumsatzes entspricht.

Ford wies darauf hin, dass die Schließung dieser Fabrik sehr große Risiken mit sich bringen werde. Etwa ein Dutzend Ford-Fabriken und weitere Zulieferfabriken werden betroffen sein, davon sind mehr als 100.000 Mitarbeiter betroffen.

Seit dem 15. September streikt die UAW nicht nur gegen Ford, sondern auch gegen General Motors und Stellantis. Der Angriff der Gewerkschaft auf Ford konzentrierte sich auf ein Werk in Wayne, Michigan, und ein Montagewerk in Chicago, die nicht die Haupteinnahmequellen von Ford sind.

Die Eskalation im Automobilwerk in Kentucky ist nicht das erste Mal, dass die UAW ihre Streiks auf andere Anlagen ausdehnt, aber es ist das erste Mal, dass sie ihre Streiks ohne Vorwarnung auf weitere Ziele ausdehnt.

Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen liegt der Schwerpunkt der Verhandlungen in dieser Woche auf dem Gewerkschaftsstatus und der Rentensicherheit künftiger Arbeitnehmer im Batteriewerk. Die Gewerkschaft hofft, dass Ford sich General Motors anschließt und Arbeitern in Batteriefabriken den Beitritt zur Gewerkschaft ermöglicht und ihr Angebot weiter ausbaut.

Allerdings glaubte Ford, unter den drei großen Herstellern die besten Konditionen geboten zu haben. Die Gewerkschaft beschloss, dieses Rekordvertragsangebot abzulehnen und leitete einen Streik im Werk in Kentucky ein, der schwerwiegende Folgen für Ford, Kunden und Lieferanten hatte.