Seit der Entwicklung der modernen Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) in den 1960er Jahren hat diese Technologie unzählige Leben gerettet. Studien haben jedoch ergeben, dass die herkömmliche Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Schwerelosigkeit nicht so effektiv ist. Daher testet ein Team europäischer Kardiologen mögliche Alternativen für Astronauten.

Der NASA-Astronaut Josh Casada übt manuelle HLW auf der Internationalen Raumstation
Dank der Herz-Lungen-Wiederbelebung konnten viele Patienten, die einen Herzstillstand erlitten hatten, dem Tod entkommen. Diese Technologie ist nicht nur für professionelle Ersthelfer wichtig, sondern auch für die breite Öffentlichkeit anwendbar, da die Bedienung sehr einfach ist und fast jeder sie erlernen und beherrschen kann. Für Retter ohne professionelle Ausbildung empfehlen Gesundheitsorganisationen wie die American Heart Association (AHA) die „Hands-on CPR“-Methode. Bei dieser Methode drückt der Retter mit seinen Händen und seinem Körpergewicht auf das Brustbein des Patienten, um einen rhythmischen Druck zu erzeugen, der die Blutzirkulation fördert.
Solange Sie sich das „Stayin‘ Alive“ der Bee Gees merken können, um Schritt zu halten, ist die Freisprech-HLW auf der Erde sehr effektiv. Doch in der Schwerelosigkeit des Weltraums kann der Retter ihn mit seinem Gewicht nicht nach unten drücken, sondern wird weggeschleudert. Es müssen also andere Wege gefunden werden.
Um alternative Methoden zu evaluieren, führten Kardiologen gemeinsam mit dem französischen Nationalen Zentrum für Weltraumforschung (CNES) Experimente an einem Airbus A310-Flugzeug durch, das so modifiziert wurde, dass es Schwerelosigkeit während eines Parabelflugs simuliert. Während dieser kurzen „schwebenden“ Phasen testete das Team manuelle HLW sowie drei automatische Brustkompressionsgeräte.
Diese Geräte sind der Öffentlichkeit vielleicht nicht bekannt, werden aber häufig bei vielen besonderen Anlässen eingesetzt, beispielsweise in kleinen Räumen wie der Sanitätskabine eines Hubschraubers oder wenn über einen längeren Zeitraum eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden muss. Zur Ausrüstung gehören: Rahmenkompressionsgerät mit Kolben, tragbare Kolbenausrüstung, tragbare Kompressionsgurte usw.
Ziel des Experiments war es herauszufinden, ob verschiedene Methoden die simulierte Brusthöhle auf eine Standardtiefe von 50–60 mm (2–2,4 Zoll) komprimieren können. Es wurde festgestellt, dass die manuelle Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Schwerelosigkeit nicht funktionierte, während dies bei herkömmlichen mechanischen Kolbengeräten der Fall war.
Nathan Reynette von der Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum Nancy, Frankreich, sagte: „Wir haben die Umgebung von Astronauten in der Mikrogravitation im ‚fliegenden Labor‘ simuliert und verschiedene Brustkompressionsmethoden getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass ein bestimmter Typ eines automatischen Kompressionsgeräts die einzige Methode war, die die von internationalen Erste-Hilfe-Richtlinien empfohlene Kompressionstiefe erreichen konnte – diese Tiefe ist entscheidend, um die Durchblutung des Gehirns sicherzustellen. Wir hoffen, dass diese Erkenntnis irgendwann in die Behandlungsrichtlinien für Herzstillstand im Weltraum aufgenommen wird.“
Derzeit sind alle Astronauten in einer äußerst gesunden körperlichen Verfassung und die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands ist äußerst gering. Aber da die Kosten für Raumfahrten stark gesunken sind, wird es in Zukunft für gewöhnliche Menschen zum Trend werden, ins All zu reisen, und diese Rettungstechnologien können mehr Leben retten. Relevante mechanische CPR-Technologie kann künftig auch in extremen Umgebungen wie U-Booten und polaren Forschungsstützpunkten eingesetzt werden.