Die Fox Group gab bekannt, dass sie die Streaming-Medienplattform Roku für rund 22 Milliarden US-Dollar in bar und in Aktien übernehmen wird. Dies wäre die größte Übernahme in der Geschichte des von der Familie Murdoch kontrollierten Medienunternehmens. Nach Abschluss der Transaktion hofft Fox, seine langfristigen Defizite bei großen Direktvertriebskanälen durch die Beherrschung des TV-Betriebssystems und der Daten-„Pipelines“ an vorderster Front auszugleichen.

Gemäß den Bedingungen der am frühen Montag angekündigten Transaktion wird Fox Roku für 160 US-Dollar pro Aktie übernehmen, davon 96 US-Dollar in bar und der Rest in Form von Fox-Stammaktien der Klasse A. Nach Abschluss der Transaktion werden die bestehenden Fox-Aktionäre etwa 73 % des kombinierten Unternehmens besitzen, während die Roku-Aktionäre etwa 27 % besitzen werden. Die Transaktion soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein und bedarf noch der Zustimmung der Regulierungsbehörden und der Aktionäre beider Parteien.

Für Außenstehende stellt sich die Frage: Was genau kauft Fox? Roku ist weit mehr als nur ein „TV-Stick“-Hardware-Unternehmen. Es ist derzeit das einflussreichste Betriebssystem für vernetztes Fernsehen in Nordamerika und die stundenweise führende TV-Streaming-Plattform in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko und erreicht mehr als die Hälfte der Breitbandhaushalte in den USA. Für Fox sind Rokus Daten und die Fähigkeit, Benutzer auf Haushaltsebene zu erreichen, das „Kronjuwel“ des gesamten Deals, nicht das Hardware-Geschäft selbst.

In den letzten Jahren hat Fox sein Angebot an Live-Inhalten weiter ausgebaut und umfasst nun NFL, MLB, NASCAR, Big Ten Football, World Cup sowie Ressourcen wie Fox News und Fox Business. Allerdings fehlte es Fox schon immer an einem wirklich großen Direktvertriebsunternehmen. Im Jahr 2020 erwarb Fox für 440 Millionen US-Dollar die On-Demand-Plattform Tubi und eröffnete ihr damit einen Einstiegspunkt in den Bereich der On-Demand-Streaming-Medien. Die Übernahme von Roku ist dieses Mal gleichbedeutend mit der Übernahme des Mainstream-TV-„Betriebssystems“, von dem der Inhalt abhängt.

Tatsächlich reicht die Beziehung zwischen Fox und Roku mehr als ein Jahrzehnt zurück. Bereits 2013 hatte Fox in Roku investiert und die Beteiligungsquote erreichte einst 5 %. Erst nach vielen Jahren wurde die Investition verkauft, um Geld für die Übernahme von Tubi zu sammeln. In diesem Sinne ist dieser Zusammenschluss für beide Parteien nicht nur ein „Wiedersehen“, sondern auch eine deutlich kostspieligere „Heimkehr“.

Fox sagte, dass das kombinierte Unternehmen gemessen am Zuschaueranteil zum drittgrößten Player auf dem US-Fernsehmarkt werden würde. Allerdings fielen die ersten Rückmeldungen vom Kapitalmarkt im Vergleich zu den optimistischen Aussagen der Transaktionsparteien recht kühl aus. Der Aktienkurs von Fox fiel am Montag um etwa 15 %, was die Besorgnis der Anleger über die hohe Schuldenlast des Unternehmens widerspiegelte und auch die Skepsis der Wall Street gegenüber der strategischen Entscheidung des traditionellen Mediengiganten, 22 Milliarden US-Dollar für die Übernahme eines „Connected-TV-Unternehmens“ auszugeben, zum Ausdruck brachte. Noch bedeutsamer ist, dass die Roku-Aktien an diesem Tag ebenfalls niedriger waren.

Aus preislicher Sicht stellt das Angebot von Fox einen erheblichen Aufschlag gegenüber dem jüngsten Aktienkurs von Roku dar. Das Angebot stellt einen Aufschlag von etwa 33 % gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag dar, bevor Reuters erstmals bekannt gab, dass Roku einen Verkauf anstrebte. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Konsolidierung in der Medienbranche spiegelt diese Prämie nicht nur die Entschlossenheit von Fox wider, sondern stärkt auch die Marktlogik „Größe ist entscheidend“.

Derzeit erlebt die nordamerikanische Medienbranche Wellen von Fusionen und Übernahmen. Im Jahr 2025 wurde Paramount von Skydance Media übernommen, und erst letzte Woche genehmigte das US-Justizministerium die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount-Skydance. Ganz gleich, ob es sich um diese Transaktionsreihe oder um die Übernahme von Roku durch Fox handelt, die Kernlogik ist höchst konsistent: Entweder groß rausgehen oder an den Rand gedrängt werden.

Aus Sicht des Nutzerverhaltens haben Streaming-Medien die Spitzenposition beim Fernsehen fest eingenommen. Nielsen-Daten vom März 2026 zeigen, dass Streaming-Medien etwa 48 % des gesamten US-Fernsehkonsums ausmachen, während traditionelles Rundfunkfernsehen etwa 20 % und Kabelfernsehen etwa 21 % ausmachen. Unter den Streaming-Plattformen liegt YouTube mit einem Anteil von 13 % an der gesamten TV-Sehzeit an erster Stelle, gefolgt von Netflix mit 8 %. Der von Roku selbst betriebene The Roku Channel macht derzeit etwa 3 % aller Zuschauer aus. Obwohl der Anteil nicht überragend ist, wenn man bedenkt, dass die Plattform selbst eine große Anzahl anderer Streaming-Medien-Zuschauer anzieht, steckt hinter dieser Zahl offensichtlich ein größerer Traffic und ein größeres Geschäftspotenzial.

Was das Layout der kostenpflichtigen Streaming-Medien angeht, hat Fox spät begonnen. NBC startete Peacock bereits im Jahr 2020 und CBS startete 2014 einen Dienst, der später auf Paramount+ aufgerüstet wurde. Im Gegensatz dazu wird Fox seinen eigenen kostenpflichtigen Dienst Fox One erst im Jahr 2025 starten. Aus dieser Perspektive kann die Übernahme von Roku auch als strategischer Wandel für Fox angesehen werden, um zu versuchen, das „Wettrüsten“ der traditionellen Abonnement-Streaming-Medien zu umgehen: Anstatt das Inhaltsniveau weiter zu erhöhen, ist es besser, die „Pipeline“ auf der Vertriebsebene direkt zu steuern, um in der neuen Runde der Medienumstrukturierung eine günstigere Position zu erreichen.