Kürzlich hat der Entwickler Nicholas Slattery ein Projekt namens „Sony Head Tracker“ gestartet, das den Beschleunigungsmesser und das Gyroskop nutzt, die in die Kopfhörer/Ohrhörer der WF-1000- und WH-1000-Serie von Sony integriert sind, um Kopfsensordaten in Echtzeit in eine perspektivische Steuerung im Spiel umzuwandeln. Diese Sensoren wurden ursprünglich für räumliche Audiofunktionen verwendet, um durch genaue Verfolgung von Kopfbewegungen ein Surround-Soundfeld zu erzeugen. Jetzt wurden sie für neue Anwendungen in der Spielsteuerung wiederentdeckt.

Sony hat das Android Head Tracker-Protokoll in die Headset-Firmware integriert, es wurde jedoch unter Windows-Systemen „ignoriert“. Zu diesem Zweck fungiert die von Slattery entwickelte Sony Head Tracker-Anwendung als Brückenschicht, die Sensordaten von Sony-Kopfhörern auf der einen Seite und der OpenTrack-Software auf der anderen Seite verbindet und Kopfbewegungen in Echtzeit in Kamerasteuersignale umwandelt, die den Anforderungen des Spiels entsprechen. OpenTrack unterstützt nativ über 200 PC-Spiele und kann mit Mobiltelefonen, Webcams, Eye-Tracking- oder Infrarot-Tracking-Geräten verwendet werden. Durch diese Brückenlösung können Sony-Headsets nahezu per Plug-and-Play in das bestehende Head-Tracking-Ökosystem integriert werden.

Zu den Geräten, die diese Funktion unterstützen, gehören derzeit Modelle wie Sony WH/WF-1000XM6, WH/WF-1000XM5 und ULT WEAR (WH-ULT900N). Es handelt sich allesamt um Produkte, die räumliches Audio unterstützen und daher über die erforderliche Sensor- und Protokollbasis verfügen. Im Gegensatz dazu verfügen die Kopfhörer und Ohrhörer von Apple zwar ebenfalls über entsprechende Hardware, verwenden jedoch ein eigenes geschlossenes proprietäres Protokoll und können mit dieser Lösung nicht auf der Windows-Plattform kompatibel sein.

Nach Angaben des Projektautors kann Sony Head Tracker bereits mit Hunderten von PC-Spielen arbeiten, darunter bekannte Simulationswerke wie „Microsoft Flight Simulator“ und „Assetto Corsa“. Den öffentlichen Demonstrationsvideos nach zu urteilen, liegen die Reaktion und Genauigkeit des Headtrackings nahe am Niveau von VR-Headsets. Spieler von Flug- oder Rennsimulationen können, sofern sie bereits kompatible Sony-Headsets in der Hand haben, ihre Immersion zu sehr geringen Kosten deutlich verbessern.

Für Benutzer, die die oben genannten Sony-Headsets besitzen und häufig simulierte Spiele auf ihrem PC erleben, erfordert diese Lösung nahezu keine zusätzlichen Hardware-Investitionen. Sie müssen lediglich Sony Head Tracker und OpenTrack installieren und konfigurieren, um loszulegen. Die Geburt dieses Projekts hat auch einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in High-End-Produkten der Unterhaltungselektronik steckt: Solange die Schnittstelle geöffnet ist und vorhandene Sensoren gut genutzt werden, können gewöhnliche Kopfhörer auch grenzüberschreitend eingesetzt werden und zu Spieleingabegeräten werden, sodass Mainstream-Peripheriegeräte neue Anwendungsszenarien außerhalb des räumlichen Audios finden können.