Zusammenfassung:
Nächtliches Schlafen mit eingeschaltetem Fernseher, durch das Fenster hereinfallenden Straßenlaternen oder dem schwachen Licht elektronischer Geräte im Zimmer kann weitaus mehr Auswirkungen haben, als nur den Schlaf zu stören. Eine neue groß angelegte wissenschaftliche Studie, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Exposition gegenüber künstlichem Licht während des Schlafs in erheblichem Maße mit subtilen strukturellen und funktionellen Veränderungen des Herzens verbunden ist.
Was noch alarmierender ist, ist, dass diese negative Veränderung der physischen Form des Herzens sogar in Umgebungen mit extrem schwachem Licht sichtbar wird (über 3 Lux, was dem schwachen Licht von drei Kerzen in wenigen Metern Entfernung entspricht).

Die Studie wurde vom Team von Lu Qi, Professor für Epidemiologie an der Tulane University in den Vereinigten Staaten, geleitet. Die Forscher haben Daten von mehr als 11.000 Erwachsenen in der britischen Biobank abgerufen, die keine Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Im Gegensatz zu früheren Umfragen, die auf der Selbstauskunft mittels Fragebögen beruhten, nutzte dieses Projekt Sensoren, die an den Handgelenken der Teilnehmer getragen wurden, um eine Woche lang eine objektive Lichtüberwachung durchzuführen, und führte anschließend detaillierte Scans der Herzstrukturen der Teilnehmer durch hochpräzise Magnetresonanztomographie (MRT) durch.
Medizinische Bildgebungsanalysen lieferten alarmierende physikalische Beweise: Im Vergleich zu Probanden, die in nahezu völliger Dunkelheit schliefen, zeigten diejenigen, die dem meisten Nachtlicht ausgesetzt waren, deutliche Anzeichen einer nachteiligen Herzumgestaltung. Konkret nahm in dieser Gruppe die Muskelmasse des linken Ventrikels des Herzens um durchschnittlich etwa 2,4 % und die Dicke der Ventrikelwand um durchschnittlich 1,5 % zu. Gleichzeitig nahm der Myokardkontraktionsanteil um etwa 1,9 % ab, was bedeutet, dass die mechanische Effizienz des Herzens beim Pumpen von Blut und beim Entspannen schwächer wird. Darüber hinaus kam es auch im rechten Herzsystem und im linken Vorhof des Probanden zu einer leichten Vergrößerung und einer beeinträchtigten Blutpumpfunktion. Nach 10 Jahren langfristiger Gesundheitsüberwachung war das Risiko einer Herzinsuffizienz in der Gruppe mit hoher nächtlicher Exposition um 29 % höher, das Schlaganfallrisiko war um 33 % höher und das Risiko eines Herzinfarkts und eines kardiovaskulären Todes stieg ebenfalls um 24 % bzw. 26 %.
Zu der Frage, warum nächtliches Licht erhebliche Schäden am Myokard verursachen kann, wiesen Forscher darauf hin, dass eine verkürzte Schlafdauer nur 24 % bis 49 % der strukturellen Veränderungen im Herzen erklären kann. Die verbleibenden Risikomechanismen werden hauptsächlich auf Störungen des zirkadianen Rhythmus und die Stressreaktion des Zentralnervensystems zurückgeführt. Unter normalen physiologischen Mechanismen ist die dunkle Umgebung in der Nacht ein Schlüsselsignal, um die Melatoninsekretion zu fördern, den Blutdruck zu senken und dem Herz-Kreislauf-System Ruhe zu geben. Sogar schwaches Licht kann der Körper selbst durch geschlossene Augenlider wahrnehmen, was die innere biologische Uhr des Körpers stört, eine ständige Erregung der sympathischen Nerven auslöst, was zu chronischen Entzündungen der Blutgefäße und langfristigem Stress führt, das Herz zu einer anhaltenden Überlastung in der Nacht zwingt und mit der Zeit eine Myokardhypertrophie und -steifheit hervorruft.
Obwohl es sich bei dieser Studie um eine Beobachtungsstudie handelt und noch nicht auf kausaler Ebene geschlussfolgert werden kann, dass schwaches Licht das Herz direkt zerstört, betonten viele Experten für kardiovaskuläre Präventivmedizin, dass dies die erste wichtige Studie sei, die durch medizinische MRT-Bildgebung bestätigt, dass nächtliche Lichtexposition direkt mit pathologischen Veränderungen in der physischen Struktur des Herzens zusammenhängt. Dies zeigt, dass Lichtverschmutzung im Schlafzimmer nicht mehr nur ein Ärgernis ist, sondern ein ernstzunehmender kardiovaskulärer Umweltrisikofaktor. Experten schlagen vor, dass die Öffentlichkeit die Schlafhygiene aktiv verbessern, Verdunklungsvorhänge beim Zubettgehen enger ziehen, die Anzeigelampen von Innengeräten abdecken, das Aufladen von Mobiltelefonen bei eingeschaltetem Bildschirm oder das Einschalten des Fernsehers beim Schlafen am Bett vermeiden, bei Bedarf lichtblockierende Augenmasken tragen und das Schlafzimmer so weit wie möglich in völlige Dunkelheit versetzen sollte, um die Herz-Kreislauf-Gesundheit langfristig zu schützen.
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