Russlands „Starlink“-Ersatzplan erlitt zu Beginn einen Rückschlag, und seine „Dawn“-Satelliten wichen sukzessive von ihren geplanten Umlaufbahnen ab

📅 2026-09-03

Zusammenfassung:

Das in Russland im Bau befindliche Satelliten-Internet-Netzwerkprojekt Rassvet hat kürzlich neue technische Probleme aufgedeckt. Nach Angaben der vom Institute for War Studies (ISW) zitierten Satellitenverfolgungsplattform N2YO haben alle 16 im Juni dieses Jahres gestarteten Dawn-Satelliten ihre geplanten Arbeitsumlaufbahnen nicht erreicht.

Nach dem ursprünglichen Plan sollten diese Satelliten in einer Umlaufbahn von etwa 870 Kilometern über dem Boden operieren. Die tatsächlichen Bedingungen zeigen jedoch, dass viele Satelliten derzeit nur in einem Höhenbereich von 300 bis 400 Kilometern operieren und einige Satelliten sogar damit begonnen haben, ihre Umlaufhöhe kontinuierlich zu senken. Zwei der Satelliten dringen wieder in die Erdatmosphäre ein.

Das „Dawn“-Projekt wird vom russischen Luft- und Raumfahrtunternehmen Bureau 1440 entwickelt und gilt als wichtiger Plan Russlands zum Aufbau eines lokalen Satelliten-Internetsystems in niedriger Umlaufbahn und als Ersatz für das amerikanische „Starlink“-Netzwerk von SpaceX.

Experten weisen darauf hin, dass eine zu niedrige Umlaufhöhe die Lebensdauer des Satelliten direkt beeinträchtigt. Je näher sich ein Satellit an der Erde befindet, desto stärker ist der atmosphärische Widerstand, auf den er trifft, sodass mehr Treibstoff verbraucht werden muss, um seine etablierte Umlaufbahn aufrechtzuerhalten. Sobald ein Satellit nicht in der Lage ist, seine vorgesehene Höhe zu erreichen oder beizubehalten, kann sich seine Lebensdauer erheblich verkürzen und er kann vorzeitig aus dem Betrieb genommen werden.

Dieser Start ist die zweite Reihe von Netzwerkmissionen des „Dawn“-Projekts. Russland startete bereits im März dieses Jahres die erste Charge von 16 Satelliten, doch auch bei dieser Charge traten Probleme auf. Einer der Satelliten mit der Nummer „Objekt 4“ fiel im Juni aus der Umlaufbahn. Das Institute for War Studies sagte, dass von den ersten 16 gestarteten Satelliten nur 12 erfolgreich die erwartete Orbitalhöhe erreichten.

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten hat sich Russland ehrgeizige Entwicklungsziele für das Projekt gesetzt. Bureau 1440 plant den Aufbau eines groß angelegten Konstellationsnetzwerks mit 900 Satelliten bis 2035 und hofft, bis 2027 250 Satelliten in Betrieb zu haben. Analysten glauben, dass Orbitalanomalien bei zwei aufeinanderfolgenden Startmissionen eine Herausforderung für das Erreichen dieser Ziele darstellen könnten.

Forschungseinrichtungen gehen davon aus, dass es bei weitem nicht ausreicht, sich allein auf Dutzende Satelliten zu verlassen, um ein Satelliten-Internetsystem mit wirklich breitbandigen Kommunikationsfähigkeiten aufzubauen. Das Institut für Kriegsforschung schätzt, dass Russland im Normalbetrieb mindestens 200 bis 300 „Dawn“-Satelliten benötigt, um eine 24-Stunden-Dauerabdeckung in der Ukraine zu erreichen.

Aufgrund einer begrenzten Anzahl von Satelliten kann das Netzwerk derzeit nur zweimal täglich Abdeckungsfenster bereitstellen, die jeweils bis zu etwa 90 Minuten dauern. Dies stellt eine erhebliche Einschränkung für Satelliten-Internetsysteme dar, die für die Bereitstellung kontinuierlicher Kommunikationsdienste ausgelegt sind.

Satelliten-Internetnetzwerke sind in der Regel auf eine große Anzahl von Satelliten angewiesen, die in koordinierten Umlaufbahnen operieren. Wenn ein Satellit die Sichtweite des Benutzerterminals verlässt, kann ein anderer Satellit sofort seine Arbeit übernehmen und so eine unterbrechungsfreie Kommunikation gewährleisten. Wenn nicht genügend Satelliten verfügbar sind, können Benutzer nur innerhalb eines begrenzten Zeitfensters eine Verbindung herstellen und keinen kontinuierlichen Online-Dienst erreichen. Berichten zufolge hängt Russlands beschleunigte Weiterentwicklung des Dawn-Projekts mit der vorherigen Einführung eines Whitelist-Mechanismus für Starlink zusammen. Dieser Mechanismus soll verhindern, dass unbefugte Benutzer auf das Netzwerk zugreifen, einschließlich der Bedürfnisse des russischen Militärs. Vor diesem Hintergrund ist es für Moskau umso wichtiger geworden, ein vollständig von Russland kontrolliertes Satellitenkommunikationssystem aufzubauen.

Derzeit befindet sich das „Dawn“-Projekt noch in der frühen Bauphase, aber die ersten beiden Startmissionen haben mehrere Schlüsselprobleme ans Licht gebracht. Zukünftig muss der Plan nicht nur nachweisen, dass er Satelliten präzise in Zielumlaufbahnen bringen kann, sondern auch den langfristig stabilen Betrieb von Satelliten und die Fähigkeit gewährleisten, schnell neue Satelliten aufzufüllen und so schrittweise ein zuverlässiges Satelliten-Internetnetzwerk aufzubauen.

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