Neue Forschungsergebnisse, die auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America vorgestellt werden sollen, zeigen erstmals mikrostrukturelle Veränderungen im Gehirn von Long-COVID-Patienten im Vergleich zu vollständig genesenen und nicht infizierten Patienten. Die Ergebnisse legen nahe, dass Long-COVID-Symptome mit Veränderungen in bestimmten Gehirnnetzwerken zusammenhängen könnten.
„Nach unserem Kenntnisstand ist dies die erste Studie, die Long-COVID-Patienten mit einer Gruppe ohne Vorgeschichte von COVID-19 und einer Gruppe, die eine COVID-19-Infektion durchgemacht hat, aber subjektiv unbeeinträchtigt war, vergleicht“, erklärt der Erstautor der Studie, Alexander Rau vom Universitätsklinikum Freiburg.
Die Studie nutzte eine relativ neue Bildgebungstechnik des Gehirns namens Diffusion Microstructural Imaging (DMI). Die Technologie verfolgt die Bewegung von Wassermolekülen durch das Gehirngewebe und liefert hochauflösende Bilder der Mikrostruktur des Gehirns.
Die Forscher untersuchten umfassend Hirnläsionen oder Anomalien und fanden keine signifikanten Unterschiede zwischen COVID-Patienten und solchen ohne Infektion. Eine genauere Betrachtung der Unterschiede in der Mikrostruktur des Gehirns zeigte jedoch erhebliche Veränderungen in der Mikrostruktur der COVID-Patientenpopulation.
„Hier stellten wir Veränderungen in der grauen Substanz sowohl bei Long-COVID-Patienten als auch bei Patienten fest, die nach einer COVID-19-Infektion nicht beeinträchtigt waren“, sagte Law. „Interessanterweise stellten wir nicht nur bei Long-COVID-Patienten, sondern auch bei Patienten, die nach einer COVID-19-Infektion unbeeinträchtigt waren, umfangreiche Veränderungen in der Mikrostruktur fest.“
Was unterscheidet also Long-COVID-Patienten von vollständig genesenen COVID-Patienten? Forscher fanden heraus, dass drei Long-COVID-Symptome (Müdigkeit, Geruchsverlust und kognitive Beeinträchtigung) möglicherweise mit spezifischen Mustern mikrostruktureller Veränderungen im Gehirn zusammenhängen. Der Unterschied zwischen Long-COVID-Patienten und genesenen Patienten scheint also darin zu liegen, wie die Krankheit das Gehirn gezielt umgestaltet.
„Die Manifestation von Post-COVID-Symptomen hängt mit den spezifischen betroffenen Gehirnnetzwerken zusammen, was auf eine pathophysiologische Grundlage für das Syndrom schließen lässt“, bemerkte Rau.
Während die Ergebnisse die wahre pathologische Grundlage von Long-COVID bestätigen, werfen sie auch einige Fragen auf, die die Forscher in Zukunft untersuchen möchten. Verbessern sich beispielsweise diese mikrostrukturellen Veränderungen im Laufe der Zeit, wenn sich die Symptome bei Long-COVID-Patienten ändern? Gibt es etwas, das die für Long-COVID charakteristischen Veränderungen im Gehirn von COVID-Patienten verursacht?
Die neuen Forschungsergebnisse werden diese Woche auf der Jahrestagung 2023 der Radiological Society of North America vorgestellt.