Die Schweizerinnen und Schweizer werden am Sonntag in einer Volksabstimmung darüber abstimmen, ob sie eine vorgeschlagene Bevölkerungsobergrenze unterstützen. Dieses Referendum wurde mit dem britischen Referendum über den Austritt aus der Europäischen Union verglichen. Nach seiner Verabschiedung wird es tiefgreifende Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft und die Beziehungen zwischen der Berner Regierung und der Europäischen Union haben. Der Verfassungsänderungsvorschlag wurde von der rechtsgerichteten Schweizerischen Volkspartei vorgeschlagen und war durch öffentliche Bedenken hinsichtlich Einwanderung, Druck auf öffentliche Dienstleistungen und Wohnungsnot motiviert. Der Vorschlag sieht vor, dass die Gesamtbevölkerung der Schweiz bis 2050 10 Millionen nicht überschreiten soll. Offizielle Prognosen zeigen, dass die Bevölkerung der Schweiz diesen Wert bereits Anfang der 2040er Jahre erreichen wird.

Dies ist ein beispielloser Schritt zur gesetzlichen Begrenzung der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig verstärkt das europäische rechte Lager seine Bemühungen, die Einwanderungskontrollen zu verschärfen. Auch die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit steigenden Lebenshaltungskosten, schwachem Wirtschaftswachstum und Sicherheitsproblemen hat zu dieser Entwicklung beigetragen.
Helen Gulea, 58, die in Zürich lebt, als Schneiderin arbeitet und nebenberuflich einen Kiosk betreibt, stammt ursprünglich aus Kenia und hat den Vorschlag zur Bevölkerungsobergrenze per Briefwahl unterstützt. Sie sagte: „Sobald die Bevölkerung 10 Millionen übersteigt, werden alle Ressourcen knapp, daher muss die Einwanderung eingeschränkt werden.“
Die Ergebnisse des Referendums werden voraussichtlich ab 12 Uhr Ortszeit (10 Uhr GMT) bekannt gegeben.
Wenn der Vorschlag angenommen wird und die Bevölkerungszahl die rote Grenze von 10 Millionen erreicht, wird die Schweiz entsprechende Verfahren einleiten und möglicherweise das Freizügigkeitsabkommen mit der EU aufkündigen. Ein Großteil der Arbeitskräfte in der Schweiz stammt aus EU-Mitgliedstaaten.
Gegenwärtig hat die Schweiz mehr als 9 Millionen Einwohner, und das Problem der Bevölkerungsalterung ist im Vordergrund. Meinungsumfragen zeigen, dass die öffentliche Meinung über den Vorschlag gleichmäßig gespalten ist.
Die letzte Umfrage in diesem Monat zeigte, dass der Widerstand gegen den Vorschlag an Boden gewinnt, während frühere Umfragen vorhergesagt hatten, dass er angenommen werden würde.
Patrick Reichbach, Einwanderungsexperte beim Swiss Future Think Tank, sagte, dass immer mehr Menschen jetzt besorgt seien, dass die Überbevölkerung die öffentliche Infrastruktur überlastet habe.
Er sagte: „Das rechte Lager hatte schon immer Anti-Einwanderungsforderungen, und jetzt spüren auch viele Linke den Druck der Realität.“