Die British Broadcasting Corporation (BBC) gab kürzlich bekannt, dass sie ihren ältesten Langwellensender schließen wird und markiert damit das Ende einer Radio-Ära, die fast ein Jahrhundert gedauert hat. Brancheninsider gehen allgemein davon aus, dass nach dem Rückzug des Langwellensenders irgendwann auch das traditionelle TV-Geschäft, das auf terrestrische Signalübertragung setzt, nachziehen wird.

Der Langwellenrundfunk war einst einer der Knotenpunkte der drahtlosen Kommunikation im Vereinigten Königreich und sogar in Europa. Seine symbolträchtige Anlage liegt in der Nähe der Kleinstadt Droitwich in Mittelengland. In den 1930er-Jahren stach diese Stadt in den Midlands mit weniger als 5.000 Einwohnern auf der Tuning-Skala britischer Radioempfänger hervor, weil sie für die Rundfunkübertragung verantwortlich war. Sein Ortsname wurde direkt zur Angabe der Langwellenkanalfrequenz verwendet. 1934 eröffnete die BBC den damals leistungsstärksten Radiosender. Die beiden etwa 700 Fuß (ungefähr 213 Meter) hohen Stahlantennentürme wurden zeitweise zu den höchsten von Menschenhand geschaffenen Bauwerken im Vereinigten Königreich.
Die Langwellensendestation Droitwich spielte im Zweiten Weltkrieg eine besondere Rolle. Es deckte nicht nur das britische Festland ab, sondern konnte auch Signale bis tief nach Kontinentaleuropa übertragen. Während des Krieges wurden die über dieses System gesendeten „Kauderwelsch“-codierten Sendungen, wie zum Beispiel „Der Hase geht in sein Loch“ („Der Hase geht in sein Loch“), vom französischen Widerstand entschlüsselt und zur Koordinierung von Operationen verwendet. Während der Nachkriegsfriedenszeit diente dieses Langwellensystem weiterhin der Öffentlichkeit und übertrug eine große Menge an Rundfunkinhalten, darunter die Cricket-Spielsendung „Test Match Special“. Die verschiedenen Fachbegriffe und internen Begriffe, die darin enthalten sind, sorgten bei normalen Zuhörern oft für „Verwirrung“.
Heutzutage, mit der Popularisierung von digitalem Rundfunk, Netzwerk-Audio und mobilen Geräten, sind der Abdeckungsvorteil und der technische Status des Langwellenrundfunks stark geschwächt. Hohe Wartungskosten, veraltete Geräte und ein kontinuierlicher Zuschauerverlust haben diese traditionelle Plattform zunehmend unhaltbar gemacht. Vor diesem Hintergrund wird die Entscheidung der BBC, diesen ältesten Dienst einzustellen, als wichtiges Signal zur Beschleunigung der Umstellung des britischen Rundfunksystems von analog auf vollständig digital und von der terrestrischen Übertragung auf die Verbreitung im Internet gewertet. Technologiebeobachter wiesen darauf hin, dass die Zukunft des terrestrischen Fernsehens unter dem vielfältigen Druck der Neuzuweisung von Frequenzressourcen, der Aktualisierung der Infrastruktur und der veränderten Hör- und Sehgewohnheiten der Nutzer ebenfalls vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Die Schließung der Langwelle könnte nur der Anfang eines langen „Abschieds vom analogen Zeitalter“ sein.