Der frühere Technologieriese IBM erlebte am Dienstag den schlimmsten Ausverkauf seiner Geschichte. Der Aktienkurs brach um 25,21 % ein und schloss bei 217,07 US-Dollar, der stärkste Tagesrückgang seit dem „Schwarzen Montag“ im Jahr 1987, und sein Marktwert schrumpfte um etwa 69 Milliarden US-Dollar.

Der historische Absturz war auf die vorläufige Leistungswarnung von IBM für das zweite Quartal zurückzuführen, die vor der Marktöffnung herausgegeben wurde. Das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 17,2 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von nur 1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und weit unter den Erwartungen der Analysten von 17,86 Milliarden US-Dollar liegt. Der bereinigte Gewinn pro Aktie wird voraussichtlich 2,93 US-Dollar betragen, was ebenfalls unter der Marktschätzung von 3,01 US-Dollar liegt. Betrachtet man die verschiedenen Geschäftsbereiche, so stiegen die Softwareumsätze um 5 %, das Beratungsgeschäft stagnierte im Wesentlichen, während die Umsätze im Infrastrukturgeschäft unerwartet um etwa 7 % zurückgingen.
IBM-Chef Arvind Krishna gab in einem Brief an die Investoren zu, dass „wir in diesem Quartal Fehler gemacht haben“. Er erläuterte ausführlich die Gründe für die Leistungslücke: In den letzten Juniwochen verlagerten Kunden ihre vierteljährlichen Investitionsausgaben in großem Umfang auf den Kauf von Servern, Speichergeräten und Speicherchips, um vor erwarteten Preiserhöhungen angebotsbeschränkte Infrastruktur zu sichern. Durch die Umstellung wurden die Ausgaben der Kunden für IBM-Softwareprodukte erheblich gesenkt. Krishna räumte ein, dass das Unternehmen zwar mit einigen Auswirkungen auf die Lieferkette rechnete, aber „nicht mit einer so erheblichen Neuausrichtung der Investitionsausgaben gerechnet habe“.
Darüber hinaus gab Krishna zu, dass es dem Team nicht gelungen sei, sich schnell an Marktveränderungen anzupassen, und dass mehrere große Transaktionen nicht termingerecht abgeschlossen werden konnten, was einen Großteil der Leistungslücke ausmachte. Er erwähnte auch, dass sich schnell entwickelnde Cybersicherheitsbedenken in der Branche auch Kunden ablenken und Kaufentscheidungen beeinflussen.
Diese Warnung wird als klares Signal für Veränderungen in der Landschaft der Technologiebranche gewertet – Investitionen in die KI-Infrastruktur haben einen erheblichen „Verdrängungseffekt“ bei den Ausgaben für traditionelle Software. Davon betroffen waren Softwareaktien wie Microsoft, ServiceNow und Salesforce, die vor der Marktöffnung um 3 bis 7 % fielen. Analysten wiesen darauf hin, dass viel Geld in Hardware-Unternehmen fließt, während in anderen vertikalen Bereichen nicht mehr viel übrig bleibt und Hardware „jedermanns Mittagessen auffrisst“.