Zusammenfassung:
Eine in „Proceedings of the Royal Society, Series B: Biological Sciences“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass die Geschichte der menschlichen Nutzung von Feuer möglicherweise mit der Entwicklung einer komplexen gesprochenen Sprache zusammenhängt. Forscher der University of St. Andrews und des Dartmouth College glauben, dass sich Menschen Hunderttausende von Jahren lang um Lagerfeuer versammelten, um sich zu wärmen, sich gegen wilde Tiere zu verteidigen, Essen zuzubereiten und Kontakte zu knüpfen. Diese einzigartige Lebensweise könnte wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung der Sprache geschaffen haben.

Forscher weisen darauf hin, dass Werkzeugherstellung, Wissenstransfer und soziale Zusammenarbeit zwar alle von Sprache profitieren können, diese jedoch nicht unbedingt auf gesprochener Sprache beruhen und auch nicht allein erklären können, warum Menschen nach und nach hochkomplexe und präzise Sprachsysteme entwickelt haben. Im Gegensatz dazu ist die Kontrolle und langfristige Nutzung lokaler Feuerquellen durch den Menschen eines der Verhaltensweisen, die ihn von anderen Primaten unterscheiden, und es überschneidet sich zeitlich grob mit der Entwicklung komplexer Sprache.
Banfires verlängerten nicht nur die Zeit, die Gruppen nachts gemeinsam verbrachten, sondern erleichterten möglicherweise auch das Geschichtenerzählen, den Erfahrungsaustausch, die Diskussion sozialer Beziehungen und die Vermittlung komplexer Ideen. Das Team vermutet, dass Umgebungen mit Feuerschein auch die Art und Weise verändern können, wie Menschen Gesten interpretieren, wodurch eine klare Stimmkommunikation vorteilhafter wird. Das von Flammen und Glut erzeugte Licht stört den Schlaf möglicherweise nicht so stark wie intensives weißes Licht, sodass Menschen nachts über längere Zeiträume soziale Interaktionen aufrechterhalten können.
Das Papier schlägt auch eine eher spekulative Möglichkeit vor: Feuer mit längeren Wellenlängen könnte eine potenzielle „photometabolische“ Wirkung auf den menschlichen Körper haben, indem es das Potenzial der Mitochondrienmembran und den Energiestoffwechsel beeinflusst. Diese Ansicht bedarf jedoch noch einer experimentellen Überprüfung.
Forscher betonen, dass Feuer nicht unbedingt direkt die Entstehung der Sprache „verursachte“ und die menschliche Evolution wahrscheinlich nicht von einem einzigen Faktor bestimmt wird. Aber das soziale Umfeld rund um ein Lagerfeuer hat möglicherweise die Möglichkeiten erhöht, soziale Bindungen aufzubauen, Gruppenangelegenheiten zu diskutieren und aus den Erfahrungen anderer zu lernen, wodurch die mit komplexer Sprache verbundenen Gehirn- und Stimmorganeigenschaften gefördert wurden.
Derzeit bleibt diese Theorie eine Hypothese. Zukünftige Forschungen müssen die Auswirkungen von Feuerschein auf das Gestenverständnis, den Schlafrhythmus und die nächtliche soziale Interaktion experimentell untersuchen, um festzustellen, inwieweit Lagerfeuer an der Bildung der reichhaltigen gesprochenen Sprache des Menschen beteiligt sind.
Kommentare