Im Gegensatz zu früheren Ansichten kam es zu großen Fortschritten in der Steinwerkzeugtechnologie, nachdem der Homo sapiens Eurasien durchquerte, und nicht vorher, was eine komplexe evolutionäre Reise markierte. Eine von Forschern des Nagoya University Museum in Japan durchgeführte Studie könnte unser Verständnis der kulturellen Evolution verändern, als sich der Homo sapiens vor etwa 50.000 bis 40.000 Jahren in Eurasien ausbreitete. Die Ergebnisse stellen traditionelle Vorstellungen über den Zeitpunkt und die Art kultureller Übergänge in dieser kritischen Phase der Menschheitsgeschichte in Frage.
Die Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnisse zur Steinwerkzeugtechnologie in der Zeitschrift Nature Communications und gehen davon aus, dass die kulturelle und technologische „Revolution“, von der allgemein angenommen wird, dass sie anatomisch moderne Menschen über Neandertaler und andere alte Menschen hinaus getrieben hat, tatsächlich ein subtilerer und komplexerer Prozess der kulturellen Evolution war.
Das Forschungsteam konzentrierte sich auf den Kulturübergang Mittel-Oberpaläolithikum (MP-UP), eine wichtige Trennlinie zwischen zwei Schlüsselstadien der menschlichen Evolution:
Während des Mittelpaläolithikums (vor 250.000 bis 40.000 Jahren) existierten anatomisch moderne Menschen neben Neandertalern und archaischen Menschen. Kulturell gesehen teilten anatomisch moderne Menschen und Neandertaler ähnliche Steinwerkzeugtechnologien, wie zum Beispiel die Verwendung der „Levalois-Methode“ der Werkzeugherstellung, bei der Steine mit einem hammerähnlichen Werkzeug geschlagen werden.
Das Jungpaläolithikum (vor 50.000 bis 12.000 Jahren) war eine Zeit der weit verbreiteten geografischen Ausbreitung des anatomisch modernen Menschen und des Aussterbens der alten Menschen. In dieser Zeit entstanden neue kulturelle Elemente in verschiedenen Bereichen, darunter Werkzeugtechnik, Nahrungsbeschaffung, Navigation und künstlerische Ausdrucksformen wie Ornamentik und Höhlenkunst.
Traditionell glauben Wissenschaftler, dass der MP-UP-Übergang ein plötzlicher Wandel ist, der durch das revolutionäre Aufkommen neuer kultureller Elemente gekennzeichnet ist. Nehmen wir zum Beispiel an, dass der Homo sapiens eine plötzliche neurologische Mutation hatte, die zu überlegenen kognitiven Fähigkeiten führte. Diese Veränderung ermöglichte es ihnen, schließlich andere Urmenschen zu übertreffen und die Neandertaler zum Aussterben zu bringen. Diese Studie stellt dieses Paradigma jedoch in Frage.
Die Forscher untersuchten die Produktivität scharfkantiger Steinwerkzeuge über einen Zeitraum von 50.000 Jahren in sechs Kulturstadien, vom Mittel- bis Jungpaläolithikum, Jungpaläolithikum und Jungpaläolithikum. Sie fanden heraus, dass vor oder zu Beginn der weiten Verbreitung des Homo sapiens in Eurasien keine großen Steigerungen der Innovationsproduktivität auftraten. Stattdessen kam es nach der anfänglichen Verbreitung des Homo sapiens zu großen Steigerungen der innovativen Produktivität und fielen mit der Entwicklung der Klingentechnologie im frühen Paläolithikum zusammen.
Dieses Ergebnis legt nahe, dass es sich bei kulturellem Wandel um einen komplexen Prozess mit mehreren Phasen und nicht um eine einzige „Revolution“ handelt.
Der leitende Forscher Professor Kadowaki Seiji glaubt, dass der kulturelle Wandel vom Mittelpaläolithikum zum Jungpaläolithikum ein komplexer evolutionärer Prozess ist, der mehrere Aspekte umfasst und sich über einen langen Zeitraum verändert. Er sagte: „Was die Spitzenproduktivität angeht, begann sich der Homo sapiens nicht nach der schnellen Innovation der Steinwerkzeugtechnologie nach Eurasien auszubreiten. Stattdessen erfolgte die Innovation der ‚Spitzenproduktivität‘ erst später und wurde gleichzeitig mit der Miniaturisierung von Steinwerkzeugen wie Klingen durchgeführt.“
Zusammengestellte Quelle: ScitechDaily