Der Klimawandel und die Zunahme von Dürren und Starkregen stellen unser Wassermanagement vor große Herausforderungen. Nicht nur die Wasserversorgung steht unter Druck, sondern auch ihre Qualität. Laut dem jüngsten Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) ist unser derzeitiges Verständnis dieser Problematik jedoch unzureichend.
Der Klimawandel verschärft die Probleme mit der Wasserqualität, insbesondere bei extremen Wetterereignissen. Effektive Strategien zur Bewirtschaftung der Wasserressourcen erfordern ein umfassendes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Klima, Landnutzung und menschlichen Aktivitäten, wobei der Schwerpunkt stärker auf Regionen wie Afrika und Asien liegen sollte.
Um diese Lücke zu schließen, hat ein internationales Wissenschaftlerteam umfangreiche Forschungsergebnisse zur Wasserqualität in Flüssen auf der ganzen Welt zusammengetragen. Die heute (12. September) in Nature Reviews Earth & Environment veröffentlichte Studie zeigt, dass sich die Qualität des Flusswassers bei extremen Wetterereignissen tendenziell verschlechtert. Da der Klimawandel dazu führt, dass diese Ereignisse häufiger und schwerwiegender werden, könnten die Gesundheit des Ökosystems und die sichere Wassernutzung für den Menschen zunehmend gefährdet sein.
Die von Dr. Michelle van Vliet von der Universität Utrecht geleitete Studie analysierte 965 Fälle von Veränderungen der Flusswasserqualität bei extremen Wetterereignissen wie Dürren, Hitzewellen, starken Regenfällen und Überschwemmungen sowie bei langfristigen (mehreren Jahrzehnten) Klimaveränderungen. „Wir haben verschiedene Wasserqualitätskomponenten wie Wassertemperatur, gelösten Sauerstoff, Salzgehalt und Konzentrationen von Nährstoffen, Metallen, Mikroorganismen, Pharmazeutika und Kunststoffen untersucht“, sagte Van Vliet.
Die Analyse zeigt, dass sich die Wasserqualität in den meisten Fällen bei Dürren und Hitzewellen (68 %), starken Regenfällen und Überschwemmungen (51 %) sowie bei langfristigem Klimawandel (56 %) tendenziell verschlechtert. Während Dürreperioden steht weniger Wasser zur Verdünnung von Schadstoffen zur Verfügung, während starke Regenfälle und Überschwemmungen häufig dazu führen, dass mehr Schadstoffe vom Land in Flüsse und Bäche gelangen. In einigen Fällen wurde berichtet, dass sich die Wasserqualität aufgrund von Ausgleichsmechanismen verbessert oder verschlechtert, beispielsweise bei Überschwemmungen, bei denen ein erhöhter Schadstofftransport durch eine stärkere Verdünnung ausgeglichen wird.
Änderungen der Wasserqualität werden hauptsächlich durch Änderungen des Flussabflusses und der Wassertemperatur beeinflusst. Auch die Landnutzung und andere anthropogene Faktoren (z. B. Abwasserbehandlung) beeinflussen Veränderungen der Wasserqualität. „Klima, Landnutzung und anthropogene Faktoren beeinflussen gemeinsam die Quellen und den Transport von Schadstoffen, und das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen ihnen ist von entscheidender Bedeutung“, sagte vanVliet. „Diese Studie fordert auch mehr Datenerfassung und Forschung zur Wasserqualität in nicht-westlichen Ländern. Wir müssen die Wasserqualität in Afrika und Asien besser überwachen. Derzeit konzentriert sich der Großteil der Wasserqualitätsforschung auf Flüsse und Bäche in Nordamerika und Europa.“
Die Ergebnisse verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, die Veränderungen der Wasserqualität bei extremen Wetterereignissen und die dahinter stehenden Mechanismen besser zu verstehen. Nur so können wir wirksame Wassermanagementstrategien entwickeln, die angesichts des Klimawandels und zunehmender extremer Wetterbedingungen den Zugang zu sauberem Wasser und gesunden Ökosystemen gewährleisten.