Eine Metastudie von Forschern des Centrums für Klimaforschung (CLICS) der Universität Hamburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt, dass es weltweit vor allem Einzelpersonen und Haushalte sind, die sich an den Klimawandel anpassen, wobei es deutlich an einer systematischen Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Gruppen mangelt.

Mangelnde Koordination bei der globalen Klimaanpassung

Eine Metastudie zeigt, dass Einzelpersonen und Haushalte selten systematisch zusammenarbeiten, um Bemühungen zur Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, umfassende, Stakeholder-orientierte Strategien zu entwickeln, die auf die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung abgestimmt sind.

Aus globaler Sicht haben Einzelpersonen und Haushalte zunächst Schwierigkeiten, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Es mangelt an systematischen Netzwerkverbindungen zwischen den verschiedenen Betroffenengruppen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Expertenteam des Centre of Excellence for Climate Research (CLICS) der Universität Hamburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Ihr Meta-Forschungsbericht wurde gerade heute (12. Oktober) in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht.

Verschiedene Akteure bei der Klimaanpassung

In der Metastudie analysierten 30 Autoren mehr als 1.400 wissenschaftliche Studien zur Anpassung an den Klimawandel. Mit ihrer Analyse liefern sie erstmals einen globalen Überblick darüber, welche Akteursgruppen sich wie anpassen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass es der globalen Aufgabenverteilung an Kohärenz mangelt. Vor allem gibt es nur wenige Konzepte, die darauf abzielen, Gesellschaft, Infrastruktur und Risikomanagement besser auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten. Zudem mangelt es an einer umfassenden Zusammenarbeit verschiedener staatlicher und nichtstaatlicher Akteure.


Im Jahr 2023 testeten Bauern in Namibia die Widerstandsfähigkeit verschiedener Sorten, in diesem Fall Sojabohnen, gegenüber zunehmendem Wassermangel. Bildquelle: UHH/CLICCS/K.Jantke

„Unsere Studie zeigt, dass die Anpassung an den Klimawandel weitgehend isoliert und unkoordiniert bleibt“, sagte Co-Autorin Dr. Kerstin Jantke, Umweltforscherin am CLICCS-Kompetenzzentrum der Universität Hamburg. „Das steht in keinem Verhältnis zur Dringlichkeit und Bedeutung dieser Herausforderung.“

die Notwendigkeit der Zusammenarbeit

Dr. Jan Petzold, Hauptautor der Studie, sieht Handlungsbedarf: „Umfassende, unvoreingenommene und zukunftsorientierte Anpassungsmaßnahmen können nur dann als erfolgreich gelten, wenn nicht nur eine breite Beteiligung von offiziellen Organisationen, sondern auch von verschiedenen Gruppen auf allen Ebenen erfolgt.“ Peter Zold ist derzeit Geograph an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er bis Herbst 2021 Mitglied des CLICCS Center of Excellence ist.

Bisher sind es vor allem Einzelpersonen und Haushalte, die Maßnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels ergreifen, insbesondere im globalen Süden; nur eine Handvoll davon wurden in institutionelle Rahmenbedingungen integriert. Allerdings gibt es auch Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten: In ländlichen Gebieten sind vor allem einzelne Haushalte aktiv, während staatliche Akteure eher dazu neigen, städtische Anpassungsbemühungen zu koordinieren. In vielen Fällen besteht die Rolle globaler, nationaler und regionaler Regierungen darin, Anpassungsmaßnahmen zu genehmigen, zu planen und zu finanzieren, während kleine Haushalte einen Großteil der Technologieimplementierung übernehmen. Der Studie zufolge ist die Beteiligung der Wissenschaft an Anpassungsmaßnahmen begrenzt, während die der Privatwirtschaft nahezu nicht vorhanden ist.

Nachhaltigkeit und integrierter Ansatz

„Wenn es weltweit vor allem Einzelpersonen wie Landwirte und Kleinbauern sind, die die Schwerstarbeit leisten, zeigt uns das auch die mangelnde Zusammenarbeit verschiedener Akteursgruppen, die eine Voraussetzung für nachhaltige Anpassungsprojekte ist“, sagt Jan Petzold. „Für weitreichende Maßnahmen wie die Anpassung von Waldstrukturen an das Klimabewusstsein, die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Überschwemmungsgebiete, die Planung neuer städtischer Infrastruktur und die Umsiedlung von Küstengemeinden ist das Koordinationskonzept unverzichtbar.“

„Die Einbindung einer vielfältigen Akteursgruppe trägt auch dazu bei, unnötige Auswirkungen von Anpassungsmaßnahmen zu vermeiden“, sagt Kerstin Jantke. „Wenn ich eine Maßnahme nur zur Lösung eines einzelnen, dringenden Problems konzipiere, kann das die Situation in anderen Bereichen verändern.“ Noch schlimmer. Beispielsweise können Deiche, die Überschwemmungen verhindern sollen, Küsten und Feuchtgebiete schädigen und die Artenvielfalt oder natürliche Kohlendioxidsenken verringern. Daher orientieren sich integrierte Maßnahmen am besten an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen, um sicherzustellen, dass Lösungen langfristig tragfähig sind.“