Experten für Infektionskrankheiten vom Baylor College of Medicine und der Stanford University School of Medicine heben in ihrem Artikel im New England Journal of Medicine die historischen Verwüstungen hervor, die das Gelbfieber zwischen 1820 und 1905 angerichtet hat, und weisen auf die Möglichkeit eines Wiederauflebens hin. Da ähnliche Krankheiten im Süden der USA zunehmen, befürworten Experten eine verstärkte Überwachung, die Entwicklung antiviraler Medikamente, Impfstoffe und innovative Gene-Drive-Technologie.


Experten warnen vor einem möglichen Wiederaufleben des Gelbfiebers im Süden der USA und plädieren für eine verstärkte Krankheitsüberwachung, die Entwicklung antiviraler Medikamente und innovative Maßnahmen zur Mückenbekämpfung.

Durch Mücken übertragene Virusinfektionen nehmen zu und breiten sich in Texas, Florida und anderen Teilen des Südens der USA immer schneller aus. Experten für Infektionskrankheiten am Baylor College of Medicine und der Stanford University School of Medicine warnen davor, dass Gelbfieber im Süden der USA erneut auftreten könnte, da durch Mücken übertragene Krankheiten zunehmen. Ihr Meinungsbeitrag zum möglichen Wiederauftreten des Gelbfiebervirus wurde in der Ausgabe des New England Journal of Medicine vom 19. Oktober veröffentlicht. Der Artikel fordert, dem Gelbfieber bei der nationalen Pandemievorsorgeplanung Vorrang einzuräumen.

Historischer Einfluss und aktuelle Situation

Dr. Peter Hotez, Professor und Dekan der National School of Tropical Medicine an der Baylor University und Co-Direktor des Vaccine Development Center am Texas Children's Hospital, ist Co-Autor des Papiers. Das Gelbfiebervirus ist ein Flavivirus und eine arbovirale Infektion, ähnlich wie Denguefieber oder Zika, jedoch mit einer viel höheren Sterblichkeitsrate. Gelbfieber wird durch Aedes-Mücken übertragen, die in der Karibik und Lateinamerika sowie in südlichen städtischen Gebieten wie Texas und Florida verbreitet sind.

„Wir haben in Texas und Florida bereits einen Anstieg von durch Mücken übertragenen Krankheiten beobachtet, darunter Malaria, Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber und Zika, aber jetzt sind wir auch besorgt über Gelbfieber, da es sich in tropischen Regionen Lateinamerikas wie Brasilien und Venezuela offenbar beschleunigt“, sagte Hotez. „Das Wiederauftreten von Infektionskrankheiten mit hoher Sterblichkeit wie Gelbfieber im Süden der USA wird zutiefst destabilisierend sein.“

Handlungsempfehlungen und Expertenmeinung

Experten empfehlen, die Überwachungsaktivitäten zur Bekämpfung von Mücken und durch Mücken übertragenen Krankheiten auszuweiten, indem die örtlichen Gesundheitsbehörden gestärkt werden und antivirale Medikamente, Impfstoffe und neue Gene-Drive-Technologie (die Insektengene durch Gentechnik dauerhaft verändert) zur Bekämpfung von Mücken entwickelt werden.

„Die Mücken, die Gelbfieber übertragen, gibt es hier in den Vereinigten Staaten, und mit der Erwärmung der Welt werden die Bedingungen für sie immer günstiger“, sagte Dr. Desiree LaBeaud, Professorin für pädiatrische Infektionskrankheiten an der Stanford School of Medicine und Mitautorin der Veröffentlichung. „Wir brauchen einen umfassenden Plan, um gefährdete Gemeinden im Süden der USA besser vor durch Mücken übertragenen Krankheiten zu schützen.“

„Einer der Gründe, warum wir die National School of Tropical Medicine an der Baylor University gegründet haben, ist die Erkenntnis, dass tropische Infektionskrankheiten aufgrund des Klimawandels, der Urbanisierung und der Armut an der US-Golfküste und in Texas zur neuen Normalität geworden sind“, sagte Hotez.