Das sichere Satelliten-Internetprojekt der neuen Generation IRIS² der EU ist vor Kurzem offiziell in die Betriebsphase eingetreten. Einige Komponenten waren online. Die Mitgliedstaaten können nun damit beginnen, auf dieses Netzwerk zuzugreifen. Es gilt als wichtiger Schritt für Europa, SpaceXs „Starlink“ im Bereich des Satelliteninternets zu bewerten. Im Kontext der zunehmenden Betonung technologischer Autonomie und strategischer Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten und Europa werden Weltraum- und Satellitenkommunikation zu einem neuen Schlachtfeld für die digitale Souveränität.

Nach Angaben der EU ging die IRIS²-Konstellation („Satellite Infrastructure Resilience, Interconnection and Security“-Infrastruktur) vor einigen Tagen online, und EU-Beamte gaben bekannt, dass Mitgliedsstaaten nun auf das Netzwerk für sichere Internetkommunikation zugreifen können. Andrius Kubilius, EU-Chef für Verteidigung und Raumfahrt, sagte, dass IRIS² und das staatliche Satellitenkommunikationsprojekt GOVSATCOM in eine begrenzte Betriebsphase eingetreten seien und als erste für staatliche und militärische Zwecke geöffnet werden würden. Die Ukraine hat den Zugang zu dieser Infrastruktur beantragt, und Kubilius sagte, dass die Kommunikationsverbindungen voraussichtlich bald eingerichtet werden.
IRIS² ist ein Großprojekt im Wert von etwa 10 Milliarden Euro, das darauf abzielt, bis zum Ende dieses Jahrzehnts ein eigenes Satelliten-Internetsystem ähnlich Starlink für Europa zu schaffen. Die geplante Multi-Orbit-Konstellation wird voraussichtlich aus etwa 290 Satelliten bestehen und die technischen Vorteile einer mittleren Erdumlaufbahn (MEO) und einer niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) vereinen. Nach der vollständigen Umsetzung des Projekts zielt IRIS² darauf ab, sichere Verbindungsdienste innerhalb der EU bereitzustellen, die Regierungsbehörden, Privatunternehmen und normale Bürger abdecken und so die Widerstandsfähigkeit und Sicherheit der globalen Kommunikation verbessern.
Das GOVSATCOM-Projekt, das parallel zu IRIS² gefördert wird, konzentriert sich auf die Bereitstellung verschlüsselter und hochsicherer Satellitenkommunikationsfunktionen für den Regierungs- und Militärsektor. Nach geopolitischen Spannungen und vielen Auseinandersetzungen über die Rolle kommerzieller Satelliten bei militärischen Operationen in den letzten Jahren sind Sicherheit und Souveränitätskontrolle zu den Kernanforderungen großer Satelliten-Internetprojekte geworden. Zuvor wurde Musks SpaceX vorgeworfen, bei einer geheimen US-Militäroperation eingeschränkte Frequenzbänder missbraucht zu haben, was eine breite Diskussion über die Rolle von in den USA hergestellten kommerziellen Satelliten im Militär- und Geheimdienstbereich auslöste.
Kubilius betonte, dass es sich bei dem Projekt nicht nur um ein technisches, sondern auch um ein politisches Projekt handele. Er sagte: „Alle Mitgliedsstaaten können jetzt ein souveränes Satellitenkommunikationssystem nutzen – sowohl militärische als auch staatliche Kommunikation, sicher und verschlüsselt, in Europa hergestellt, in Europa betrieben und unter europäischer Kontrolle.“ Die Staats- und Regierungschefs der EU hoffen, ein Netzwerk aufzubauen, das ihrer Meinung nach „besser als Starlink“ sein wird, aber es gibt immer noch eine große Lücke zwischen den beiden, was Abdeckung und Verfügbarkeit angeht. SpaceX plant, bis 2031 eine globale Konstellation von etwa 15.000 Satelliten aufzubauen, um seinen Vorsprung im Bereich Satelliten-Internet weiter auszubauen.
In einem angespannteren und komplexeren geopolitischen Umfeld steht die IRIS²-Allianz unter dem Druck, ihren Aufbau und Einsatz zu beschleunigen. Diese Konstellation wird als Teil des größeren strategischen Plans der EU angesehen, ihre Abhängigkeit von US-amerikanischer Weltraumkommunikationstechnologie zu verringern. Gleichzeitig wird berichtet, dass China auch seinen eigenen groß angelegten Orbital-„Konstellationsplan“ vorantreibt, während Russland sich mehr auf die Entwicklung von „Antisatelliten“-Fähigkeiten konzentriert, einschließlich des Versuchs, Satelliten im Orbit durch Orbitalprojektile und andere Methoden zu zerstören. Im Rahmen des Mehrparteienspiels verschärft sich der globale Wettbewerb um Satelliteninternet und Weltrauminfrastruktur rasant, und der Start von IRIS² markiert einen wichtigen Schritt für Europa in diesem Bereich.