Lange bevor das Gehirn degenerative Veränderungen erfährt, die das Gedächtnis zerstören, sendet der Körper möglicherweise Notsignale aus. Eine neue Studie ergab, dass erhöhte Spiegel eines Hormons namens „Wachstums-/Differenzierungsfaktor-15“ (GDF15) im peripheren Blut signifikant mit dem Risiko einer zukünftigen Demenz verbunden sind. Das Forschungsteam geht davon aus, dass diese Chemikalie ein wichtiger Biomarker für die Vorhersage des kognitiven Verfalls werden wird.

Diese Studie wurde von Wissenschaftlern des US-amerikanischen National Institute on Aging geleitet und in Zusammenarbeit mit einem multinationalen Team durchgeführt. Es nutzte Daten aus einem Atlas menschlicher Proteine, die aus sechs früheren Studien erstellt wurden, um den Zusammenhang zwischen GDF15 und Demenz systematisch zu analysieren und den Mechanismus zu untersuchen, durch den es neurodegenerative Veränderungen hervorrufen kann. Basierend auf Daten von etwa 500.000 Probanden mit einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren stellten Forscher fest, dass Menschen mit höheren GDF15-Blutspiegeln in Zukunft deutlich häufiger an Demenz erkranken.

Unter den verschiedenen Demenzarten wird GDF15 am häufigsten mit vaskulärer Demenz in Verbindung gebracht, die hauptsächlich durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht wird, die durch eine verminderte Durchblutung des Gehirns verursacht wird. Tatsächlich steht GDF15 schon lange im Verdacht, an einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen beteiligt zu sein, darunter Nierenerkrankungen und schwere Schwangerschaftsreaktionen. Einige Studien deuten auch darauf hin, dass es möglicherweise mit einem beschleunigten kognitiven Verfall zusammenhängt, aber sein spezifischer Wert für die Vorhersage von Demenz war bisher nicht klar.

Die neueste Analyse zeigt, dass dieser Wachstumsfaktor in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers exprimiert wird, insbesondere im Nieren-, Blasen- und Ventrikelbereich, es gibt jedoch fast keine offensichtlichen Spuren einer direkten Expression in den Zellen des Zentralnervensystems. Die Studie ergab außerdem, dass der GDF15-Spiegel im Laufe der Zeit allmählich ansteigt, unabhängig davon, ob er anhand des chronologischen oder biologischen Alters gemessen wird, und dieser Aufwärtstrend ist bei Männern besonders deutlich.

Noch wichtiger ist, dass hohe GDF15-Werte unabhängig voneinander mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden waren, selbst nach statistischer Anpassung an demografische Merkmale und verschiedene Gesundheitszustände. In einer erweiterten Analyse jüngerer Menschen stellten die Forscher fest, dass eine „Verdoppelung“ der GDF15-Plasmaspiegel im mittleren Alter mit einem um etwa 55 % höheren Demenzrisiko in den nächsten 20 Jahren verbunden war.

In einer Laborumgebung beobachtete das Team außerdem Stoffwechselveränderungen und antivirale Signalveränderungen in Immunzellen nach der Exposition gegenüber GDF15. Diese Veränderungen können sich über mehrere Wege auf die Gesundheit des Gehirngewebes auswirken. Das Forschungsteam wies in der Arbeit darauf hin, dass die GDF15-Spiegel im Kreislauf mit einer Reihe molekularer Veränderungen zusammenhängen, von denen einige in bestimmten Situationen schützende Wirkungen haben, etwa die Hemmung der Krebszellproliferation; Im Zusammenhang mit menschlicher Demenz kann die immunsuppressive Wirkung von GDF15 jedoch stattdessen die Entwicklung schädlicher pathologischer Prozesse fördern.

Natürlich weist diese Studie noch Einschränkungen auf, und die Forscher betonten auch die Notwendigkeit, die Leistung von GDF15 in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und seine spezifische Wirkung auf professionelle Immunzellen im Zentralnervensystem weiter zu untersuchen. Dennoch hat sich gezeigt, dass dieses Hormon ein „starker Kandidat“ für die Frühdiagnostik von Demenz sein könnte, von dem erwartet wird, dass es Fachleuten dabei hilft, früh in die Krankheit einzugreifen, um das Fortschreiten der Krankheit so weit wie möglich zu verlangsamen, oder Hochrisikogruppen zumindest im Voraus auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.

Relevante Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht. Die Forschung wird vom U.S. National Institute on Aging unterstützt und über MedicalXpress und andere Kanäle veröffentlicht.