Forscher schlagen eine neue Perspektive vor: Das gesamte Bienenvolk könnte ein „lebender Körper“ sein

📅 2026-10-16

Zusammenfassung:

Eine neue Studie stellt lang gehegte Annahmen über die soziale Struktur von Bienen in Frage. Forscher der Universität Lund in Schweden und der Universität Oulu in Finnland glauben, dass ein Bienenvolk nicht nur eine Gruppe von Zehntausenden Bienen ist, sondern eher ein vollständiges Lebewesen mit eigenem Entwicklungsprozess, eigener Fortpflanzungsmethode und eigenem Lebenszyklus. Wenn diese Idee weiter anerkannt wird, könnte sie einige Grundkonzepte der modernen Bienenhaltung verändern.

Nach traditioneller Auffassung besteht ein Bienenvolk aus einer Bienenkönigin, etwa 200 bis 300 Drohnenbienen und Zehntausenden Arbeiterbienen. Jede Biene übernimmt unterschiedliche Aufgaben und sorgt gemeinsam für den Betrieb des Bienenvolkes. Die Forscher schlugen jedoch vor, die Bienenkönigin und das gesamte Bienenvolk als „Superorganismus“ zu betrachten. In diesem Rahmen ähnelt jede Biene im Schwarm einer Zelle im Körper eines Tieres und der gesamte Schwarm entspricht einem vollständigen Einzeltier.

Hannes Bonhoff, der Hauptautor der Studie, sagte, dass das Team die biologische Bedeutung der Behandlung des Bienenvolkes als einen einzigen lebenden Organismus analysiert habe. Diese Perspektive bietet eine neue Möglichkeit, den komplexen und einzigartigen Lebensprozess der Bienen zu verstehen.

Laut der Erklärung des Forscherteams weist ein Bienenvolk, wenn man es als lebenden Organismus betrachtet, viele Ähnlichkeiten mit dem Wachstumsprozess von Säugetieren auf. In gewisser Weise durchlaufen Bienenvölker Entwicklungsstadien, die denen von Embryonen, Föten, Larven und Erwachsenen ähneln, begleitet von dem unvermeidlichen biologischen Alterungsprozess. Forscher glauben, dass ein Bienenvolk nicht ewig existiert, sondern nach mehrjähriger Entwicklung schließlich stirbt. Im Gegensatz zur bisherigen Fokussierung auf die Lebensspanne einer einzelnen Biene steht bei dieser Sichtweise der Lebensverlauf des gesamten Bienenvolkes im Vordergrund.

Obwohl das Konzept der „Superorganismen“ nicht zum ersten Mal vorgeschlagen wurde, wandte das Forschungsteam es weiter auf die Analyse des Lebenszyklus von Bienen an, einschließlich Fortpflanzung, Aufzucht von Nachkommen und Gruppenverhalten. Sie glauben, dass viele Phänomene, die in der Vergangenheit als kollektive Verhaltensweisen angesehen wurden, tatsächlich die physiologischen Funktionen eines lebenden Körpers auf einer höheren Ebene erfüllen könnten.

Die Studie interpretiert auch das berühmte „Schwärmphänomen“ der Bienen neu. Wenn sich ein Bienenvolk vermehrt, verlässt die ursprüngliche Königin normalerweise mit etwa der Hälfte ihrer Mitglieder den Bienenstock, um einen neuen Nistplatz zu finden, während die neue Königin im alten Nest bleibt und zum Brutzentrum der nächsten Bienengeneration wird. Forscher glauben, dass dieser Prozess eher der Fortpflanzung von Nachkommen und der elterlichen Fürsorge bei Tieren ähnelt als einer einfachen Gruppenmigration.

Nach dieser Theorie kann die neue Generation von Bienenvölkern den bereits gebauten Bienenstock, die gelagerten Nahrungsmittel und den sicheren Lebensraum direkt erben und mit Hilfe erfahrener Arbeitsbienen schrittweise wachsen. Man kann sogar sagen, dass das Mutterbienenvolk, um den Nachwuchs weiterzuführen, alle seine ausgereiften Nester und Ressourcen dem Nachwuchs überlassen wird, während es während des Migrationsprozesses selbst große Risiken trägt. Die Forscher stellten fest, dass ein solches Maß an „elterlicher Fürsorge“ in der Natur selten vorkommt.

Das Forschungsteam glaubt, dass ein neues Verständnis der Bienen aus der Perspektive von „Superorganismen“ tiefgreifende Auswirkungen auf die moderne Imkereipraxis haben könnte. Beispielsweise müssen einige der derzeitigen Praktiken der Imkereiindustrie zur Parasitenbekämpfung und künstlichen Eingriffe in das Verhalten von Bienenvölkern in Zukunft möglicherweise auf ihre Auswirkungen auf den gesamten Lebensprozess des Bienenvolks neu bewertet werden.

Dieses Forschungsergebnis, das in der Zeitschrift „Insectes Sociaux“ veröffentlicht wurde, bietet einen neuen biologischen Rahmen für das Verständnis der Bienengesellschaft und eröffnet auch eine neue Forschungsrichtung für das Verständnis, wie soziale Insekten hochkoordinierte Lebenssysteme bilden.

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