Chance Glasco, Mitbegründer von „Call of Duty“ und ehemaliger Kernentwickler von Infinity Ward, postete kürzlich in den sozialen Medien, dass die Muttergesellschaft Activision, nachdem das Gründerteam von Infinity Ward sich zu Respawn Entertainment zurückgezogen hatte, in der frühen Planungsbesprechung „sehr peinlichen Druck“ auf das Studio ausübte, in der Hoffnung, dass das nächste „Call of Duty“ „Irans Invasion in Israel“ als Kernhandlung haben würde, doch dieser Vorschlag wurde letztendlich von den meisten Entwicklern missbilligt und auf Eis gelegt.
Glasco erinnert sich, dass viele Entwickler an vorderster Front von der Idee „ekelhaft“ waren, weil sich die Anfrage eher wie Propaganda mit klarer politischer Absicht anfühlte als wie normale kreative Anleitung. Berichten zufolge hat er das Projektteam inzwischen verlassen und ist als Berater in der Branche tätig. Diese Rede wurde als Reaktion auf die hitzige Diskussion über die Verwendung von Spielmaterial durch die Trump-Regierung zur Produktion ausländischer Militärpropagandavideos gehalten.

Kürzlich hat das Weiße Haus den Spielbildschirm „Nuclear Bomb Kill Streak Reward“ direkt in „Call of Duty“ in ein Video eingebettet, das für einen Militärschlag gegen den Iran wirbt, was eine Kontroverse auslöste, die die Grenzen zwischen dem Spiel und realen Kriegserzählungen weiter verwischte. Viele Brancheninsider, darunter auch Glasco, wiesen darauf hin, dass die Trump-Regierung wiederholt Videospiele und Spielfiguren für politische Propaganda eingesetzt habe, von der Verwendung des Bildes des Master Chiefs in „Halo“ als „Plattform“ für die Einwanderungs- und Zollkontrolle bis hin zur Zitierung von „Pokémon“ in Informationen zur Einwanderungskontrolle. Diese Praktiken spiegeln alle den bewussten Einsatz von Unterhaltungsmedien durch die Behörden wider, um die öffentliche Wahrnehmung wichtiger Themen wie Krieg und Einwanderung zu beeinflussen.
Glasco erklärte in einer anschließenden Rede weiter, dass Activision in internen Mitteilungen betont habe, dass der Schauplatz des Konflikts zwischen Iran und Israel realistischerweise „relevant“ sei und dass aufeinanderfolgende US-Regierungen seit langem eine starke Haltung gegenüber der Iran-Politik beibehalten hätten, was ihn noch mehr davon überzeugt habe, dass Unterhaltungsprodukte absichtlich in das Instrumentarium der Mobilisierung der öffentlichen Meinung und der politischen Propaganda einbezogen würden. In den sozialen Medien stellten einige Internetnutzer die Frage, warum die „Call of Duty“-Serie zuvor höchst kontroverse Verschwörungen wie den Londoner Terroranschlag und den Kampf von Söldnern gegen mexikanische Drogenkartelle dargestellt hatte. Lediglich das Drehbuch „Iran greift Israel an“ sei für das Entwicklerteam „inakzeptabel“ gewesen. Als Reaktion antwortete Glasco, dass das Problem nicht darin bestehe, ob das Thema selbst sensibel sei, sondern darin, dass echte politische Kräfte dahinter stünden, die „bereit seien, Unterhaltung zu nutzen, um öffentliche Positionen zu beeinflussen“. Die Kriegserzählung gegen den Iran hat schon immer einen wichtigen Platz in der Agenda mehrerer US-Regierungen eingenommen, der sich in seiner Natur von anderen fiktiven Situationen unterscheidet.
Er enthüllte auch, dass die ursprüngliche Absicht der frühen Generationen von „Call of Duty“ nicht darin bestand, den Krieg einfach als erfrischende Unterhaltung zu betrachten, sondern zu versuchen, die Grausamkeit und Zerstörungskraft des Krieges hervorzuheben. Einige Missionsdesigns bieten den Spielern auch eine „Ausstiegs“-Option, um moralische Konflikte abzuschwächen. Beispielsweise können Spieler im umstrittenen „No Russian“-Level in „Modern Warfare 2“ wählen, ob sie die gesamte Mission überspringen oder während der Ausführung vermeiden möchten, auf Zivilisten zu schießen, wodurch ein gewisser moralischer Spielraum auf Systemebene erhalten bleibt. Glasco erwähnte, dass der Inhalt des Levels vor seiner offiziellen Veröffentlichung durchgesickert sei, was direkt dazu geführt habe, dass er seine Qualifikation als russischer Pass verloren habe. Jahre später ist er sich immer noch nicht sicher, ob ihm die Einreise nach Russland immer noch verboten ist, was zeigt, dass die Grenze zwischen Spielerzählung und realen politischen Konsequenzen weitaus fragiler ist, als sich viele Spieler vorstellen.
Auf einer eher makroökonomischen Ebene glaubt Glasco, dass es für die Öffentlichkeit leicht ist, die Wahrnehmung von Tod und Zerstörung im wirklichen Leben in dem anregenden audiovisuellen Erlebnis herunterzuspielen, wenn die Regierung beginnt, häufig Spielbilder, Charaktere und sogar Erzählrahmen zu übernehmen, um externe Aktionen oder interne Angelegenheiten zu verpacken. Die aktuellen Spannungen im Zusammenhang mit der Iran-Frage und der seit langem bestehende politische Druck machen es schwierig, den Schauplatz des „Iran-Israel-Krieges“ einfach als Fiktion zu betrachten, sobald er Eingang in Mainstream-Unterhaltungswerke findet, und werden eher als „Aufwärmphase“ für künftige Militäreinsätze interpretiert. Hinter dieser durch ein Social-Media-Update ausgelösten Diskussion rückt die immer wieder berührte oder sogar überschrittene Grenze zwischen Spieleindustrie und realer Politik erneut in den Fokus der öffentlichen Meinungsforschung.