Raubkredit-Apps (in China allgemein als Taoludai bekannt) nutzen sensible Informationen, die sie von den Mobiltelefonen der Benutzer erhalten, um sie zu erpressen, wenn sie hochverzinsliche Kredite nicht zurückzahlen können. Aber das hat Zehntausende Menschen auf der ganzen Welt nicht davon abgehalten, diese Apps über den PlayStore herunterzuladen.
Bereits im Oktober 2019 verbot Google Privatkredite mit einem effektiven Jahreszins (APR) von 36 % oder mehr. Im vergangenen Jahr wurden Raubkredit-Apps verboten, die personenbezogene Daten von Geräten sammelten, um Kreditnehmer zu erpressen.
Die Durchsetzung der Google-Richtlinien hat sich als schwierig erwiesen, insbesondere in lateinamerikanischen Ländern und Orten wie Indien. Die Medien im Rest der Welt konzentrierten sich auf die Geschichte von Ana Mariela Macías González, einer 31-jährigen Mitarbeiterin der Landesregierung im mexikanischen Bundesstaat Puebla. Sie lud mehrere Raubkredit-Apps aus dem Play Store herunter, darunter eine namens „Joy Crédito“. Dadurch stiegen ihre Schulden in weniger als sechs Monaten von 1.000 Pesos (60 US-Dollar) auf fast 60.000 Pesos (3.500 US-Dollar).
Gonzalez erhielt täglich Dutzende Drohanrufe und Textnachrichten von räuberischen Apps. Einige enthielten manipulierte Fotos von ihr und suggerierten, sie sei eine Prostituierte. Alle ihre Kontakte erhielten die Nachrichten ebenfalls.
Der Bürgerrat für Sicherheit und Gerechtigkeit der Verbraucherschutzgruppe Mexiko-Stadt sagte, die lokalen Behörden hätten 135 Berichte über Betrugs- und Erpressungstaktiken von Joy Crédito erhalten, die App sei jedoch weiterhin im Play Store zum Download verfügbar.
RestofWorld hat 15 Apps im Play Store untersucht, die gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Google verstoßen. Zwölf davon erfordern in den Nutzungsbedingungen des Google Play Store ausdrücklich den Zugriff auf die Kamerarolle oder Kontakte. Zwei andere Apps gaben nur explizit den vollständigen Zugriff auf externe Dateien an, und eine App stellte keine Informationen zum Datenzugriff bereit. Es gibt auch Apps, die Textnachrichten und SMS-Protokolldaten sammeln.
Viele dieser Apps drohten den Nutzern schon vor Fälligkeit des Kredits mit dem Versprechen, gefälschte pornografische oder belastende Bilder an Familie und Freunde zu senden, wenn die Rückzahlungen nicht fortgeführt würden, heißt es in der Veröffentlichung.
Es gibt auch Berichte darüber, dass Benutzer erpresst werden, nur weil sie diese Apps heruntergeladen und keine Kreditanträge ausgefüllt haben. González sagte, ihr vollständiger Name, ihre Telefonnummer, ihr Bankkonto und ihr amtlicher Ausweis seien an Raubkredit-Apps weitergegeben worden, die ihre Kredite teilweise abgewickelt hätten, ohne dass sie sich jemals bei dem Unternehmen beworben hätte.
Google erklärte, man prüfe die Angelegenheit und kooperiere bei der Untersuchung mit den mexikanischen Behörden. Die Vorfälle haben jedoch die Frage aufgeworfen, ob Google die App-Bedingungen und -Dienste überprüft.