Volkswagen will bis 2030 rund 100.000 Stellen abbauen. Die Aussichten für vier deutsche Werke nach 2031 sind noch offen.

📅 2026-09-04

Zusammenfassung:

Der Aufsichtsrat des Volkswagen Konzerns stimmte am Donnerstag (3. September) einstimmig dem vom Vorstand vorgelegten „Zukunftsplan 2030“ zu. Dem Plan zufolge wird der Konzern auf Basis der Anpassung von rund 50.000 Stellen seit Ende 2024 weltweit weitere rund 50.000 Stellen abbauen, darunter auch einige Führungspositionen. Bis etwa 2030 wird der kumulative Stellenabbau bei Volkswagen voraussichtlich etwa 100.000 erreichen, was etwa 15 % der gesamten weltweiten Beschäftigten des Konzerns entspricht.

Volkswagen sagte, dass der Wettbewerb auf dem globalen Automobilmarkt zunimmt und sich die Struktur der Verbrauchernachfrage weiter verändert. Gleichzeitig erhöhen Elektrifizierung, Softwareisierung und intelligente Transformation weiterhin den F&E- und Investitionsdruck. Das Unternehmen muss seine Personal- und Kostenstruktur weiter anpassen, um die Organisationsgröße an das neue Marktumfeld anzupassen.

Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat ab dem 1. Oktober auch Erica Lasch zur Personalvorstandin der Volkswagen AG bestellt.


Mehr als 28.000 Menschen haben das Trennungspaket akzeptiert und die neue Runde der Anpassungen hat sich auf die ganze Welt ausgeweitet

Der Volkswagen-Konzern hat Ende 2024 mit der Gewerkschaft eine Vereinbarung über die Anpassung von rund 50.000 Stellen bei der deutschen Marke Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter CARIAD getroffen, hauptsächlich durch freiwillige Kündigung, Vorruhestand und andere Methoden, um die sozialen Auswirkungen von Zwangsentlassungen zu verringern. Derzeit haben mehr als 28.000 Mitarbeiter entsprechende Abfindungspakete angenommen.

Diesmal wurden rund 50.000 zusätzliche Stellen hinzugefügt und die Anpassung auf eine globale Ebene ausgeweitet. Das Unternehmen sagte, die Skala basiere auf einer Neubewertung der Kosten für Management, Infrastruktur und Supportfunktionen mit dem Ziel, die Kosten denen vergleichbarer Wettbewerber anzunähern.

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, sagte, dass der Aufsichtsrat dem Plan einstimmig zugestimmt habe und damit ein klares Signal dafür gesetzt habe, dass der Konzern seine Transformation vorantreibe. In den nächsten Jahren will das Unternehmen weiterhin drei Milliarden Euro in neue Produkte, Technologien und Markenwettbewerbsfähigkeit investieren.

Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Dieter Perch sagte, das Hauptziel des Plans bestehe darin, die Kosten zu kontrollieren und gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und kontinuierliche Betriebsfähigkeit von Volkswagen sicherzustellen. Auch Olaf Liss, niedersächsischer Landeshauptmann und Mitglied des Aufsichtsrats, sagte, dass dieser Beschluss nicht nur Personal- und Kostenanpassungen beinhalte, sondern auch Pläne für zukünftige Investitionen und langfristige Regelungen für deutsche Fabriken beinhalte.

Die vier deutschen Fabriken haben keine klaren Nachfolgemodelle nach 2031

In diesem Plan steht die Anpassung der deutschen lokalen Produktionskapazitäten im Mittelpunkt.

Volkswagen bestätigte, dass die vier Werke Emden, Zwickau, Hannover und Audi Neckarsulm derzeit keine wettbewerbsfähigen Nachfolgemodelle oder Produktionsaufgaben zwischen 2031 und 2034 gewährleisten können. Gleichzeitig prüft der Konzern weitere Einsatzmöglichkeiten für diese Werke.

Das Unternehmen wies außerdem darauf hin, dass der europäische Automobilmarkt derzeit über strukturelle Überkapazitäten in der Produktion von mehr als 500.000 Fahrzeugen verfüge. Vor diesem Hintergrund plant Volkswagen, sein Produktportfolio weiter zu verkleinern und seine Ressourcen auf attraktivere und profitablere Marktsegmente zu konzentrieren. Dem Plan zufolge könnte die Anzahl der Modelle des Konzerns um bis zur Hälfte reduziert und die Produktkomplexität um bis zu 75 % reduziert werden.

Für die vier deutschen Werke wird es in den nächsten Jahren vor allem um die Frage gehen, ob sie neue Modelle oder Geschäftsabschlüsse erhalten können. Sollte das Gesamtfahrzeugwerk schließlich geschlossen werden, wäre es das erste Mal in der Geschichte von Volkswagen, dass eine Gesamtfahrzeugproduktionsbasis in Deutschland geschlossen wird.

Das operative Umsatzrenditeziel liegt bei 8 % bis 10 % bis 2030

Neben Personal- und Produktionskapazitätsanpassungen ist ein weiteres Kernziel des „Zukunftsplans 2030“ die Verbesserung der Profitabilität des Konzerns.

Das mittelfristige Ziel von Volkswagen ist es, die operative Umsatzrendite des Konzerns bis 2030 auf 8 bis 10 % zu steigern. Das Unternehmen hofft, seine derzeit hohe Kostenbasis durch die Senkung der Fixkosten, die Komprimierung der Modellanzahl, die Reduzierung der Produktkomplexität und die Verbesserung der organisatorischen Effizienz zu verbessern.

Es gibt Berichte, dass die Kosten im Zusammenhang mit dieser Umstrukturierungsrunde insgesamt etwa 10 Milliarden Euro erreichen könnten. Gleichzeitig betont Volkswagen nach wie vor, dass man sich bei der Transformation nicht allein auf Kostensenkungen verlassen werde. In den nächsten Jahren werden weiterhin große Kapitalinvestitionen in Elektrofahrzeuge, Softwareplattformen und Kernmarken-Upgrades getätigt.

Zuvor erwog das Management einmal, den Restrukturierungsplan durch die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung usw. zu beschleunigen. Da der Aufsichtsrat dem Plan jedoch einstimmig zustimmte, wurde diese Option vorübergehend auf Eis gelegt, was auch das Risiko eines direkten Konflikts mit der Gewerkschaft und dem zweitgrößten Volkswagen-Aktionär Niedersachsen verringerte. Die Gewerkschaft hat bereits zuvor deutlich gemacht, dass sie Schritte unternehmen wird, um entsprechende Pläne zu blockieren, wenn das Unternehmen seine deutschen Fabriken zwangsweise schließt.

Zur konkreten Verteilung der rund 50.000 neuen Arbeitsplätze auf verschiedene Marken und Regionen hat Volkswagen derzeit noch keine Angaben gemacht und auch keinen detaillierten Zeitplan für die Umnutzung der vier deutschen Werke und die Reduzierung der Fahrzeugmodelle genannt. Der Umsetzungsfortschritt in den nächsten Jahren wird sich direkt auf die Fähigkeit der Gruppe auswirken, ihre Mitarbeiterzahl, Produktionskapazität und Produktstruktur an ein wettbewerbsfähigeres Niveau anzupassen und gleichzeitig ihre Investitionsmöglichkeiten aufrechtzuerhalten.

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